Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 305 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Tätiger Geist, 305 ^beleuchten). Wir sind für Organisation, die nach Blüher Technologie des Geistes ist, und haben keine Angst davor, daß sie unsere Idee ver* flachen kann,- nur müssen wir das. Bndziel immer vor Augen haben, unser Erlebnis der geistigen Tat immer erneuern. <Wie? Die Aktivisten sind gegen das Erlebnis. -kann ein Erlebnis auch ohne Symbole und .Riten erneuert werden?) Zionisten haben Hiller vorgeworfen, daß seine Worte . . . leere Worte bleiben werden. Leider besitzen wir bis nun keine andere Waffe in unserem geistigen Kampfe, als eben die des gesprochenen und ge~ .schriebenen Wortes. Nicht nur einer fühlt diese Not, die Unzulänglichkeit des Wortes. Vorläufig jedoch müssen wir uns in unseren Manifestationen mit ihm begnügen. Worte sind immer leer, wenn sie nicht aufrufen, wenn sie nicht fordern, wenn sie nicht bekämpfen, wenn sie nicht zer~ stören und zugleich aufbauen. <Auch mit Worten kann man bauen: vide Aufklärung als Politik des neuen Rationalismus.) Heute brauchen wir mehr als je Aufrufe zu tätigem Geist, Manifeste eines mit Geist durchtränkten Willens. Auch die, welche die magische Begabung des suggestiven Sich^Äußerns besitzen, d. h., diejenigen, die mit ihrem Gefiihl, mit ihrem Gedanken und Willen. anstecken, sind die Geistigen. Jede große Bewegung muß mit. allen zu Gebote stehenden Mitteln vorbereitet werden, ihre Ideen, ihre Ziele und ihr£ Wege und Methoden müssen propagiert werden. Aufklärüag ist sowohl die Politik des Zionismus wie des Aktivismus. Aufklärung, »nicht um der Aufklärer willen . . . aber der Funken wegen, die zu .Bränden: werden, und um des Morgens willen, der diese geschändete Erde einst bestrahlt«. Dies ist die Praxis. des neuen Rationalismus, den .uns Max Brod folgend definiert: »Rationalistisch sein, heißt einmal: Das Weltganze nicht anders denn als Sinnvolles auffassen, nicht anders ertragen können, den Weltsinn kämpfend ins Chaos tragen, ein rechter Gotteskämpfer sein, jede Einzelheit der individuellen Lebenswelt umformen und umbiegen, in den einen unendlichen Geist, der allein allem Wert und Würde verleiht«. Ein anderer Vertreter des neuen Rationalismus, Rudolf Kays er, definiert ihn wiederum als »Wille, mit Hilfe der Grundsätze der sittlichen Vernunft, eine bessere Wirklichkeit zu schaffen«/? Strebt denn der Zionismus im Prinzip etwas anderes an, als mit Hilfe der uns zu Gebote stehenden Mittel der sittlichen Vernunft, die wirkliche geistige Welt;umzuändern? — Und die Mittel zu diesem Ziele? Ist Aufklärung nicht neben unserer reinen und redlichen Hältung den Mit* menschen gegenüber das einzige , Mittel unserer Propaganda/ unserer Politik? Ich gebe zu; Das beste Beispiel, die beste Aufklärung, die beste Politik des Geistes, ist die Tä'tydas Verwirklichte, das feher anstecken kann und muß, alsdas unzulängliche Manifest. Aber Taten Tag für Tag zu . vollbringen, liegt riicjit. in unserer Macht, und müssen wir>. ob ^pir wollen oder nicht, das lebendige urid geschriebene Wort doch in die Schatzkammer unserer Kampfesmittel aufnehmen. .* Tätiger. Geist! Zweites der * ZteUJahrbüdier, heraüsg. von R. Hiller,: Do^pelband 1917/18. G. Müller Verlag, Mündien.