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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 302 (sequence 20)
Language
German
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302 Julius Rottersmann: sehen Geistes voll, von den höchsten Zielen, und kann es doch nidit lassen' in dunkler Vermummüng, den Strom seiner Extase durch allerlei skurile Verschrobenheiten zu leiten. Zum Teil ist dies wohl auf den immer mehr überhand nehmenden Einfluß orientalischen Geistes zurückzuführen, der in ungemäßer Umgebung entartet. Der rein okzidentale, objektiv-künste lerische Geist weicht einem Mischlingsausdruck, der auch Orientalisches in sich hat. Die Erfüllung solcher Tendenz wäre das Ende der Kunst,- Dichter wagen sich heute an Dinge heran, auf die wirkliches Können und wirkliche Kunst instinktiv verzichten, sie hoffen mit der Darstellung erlittener Wirkungen wirken zu können. Was herauskommt sind Mosaiken, von aller* lei Abstraktionen zusammengesetzt, während sie unendlich mehr sein wollen. Darum siftd die Gedichte der Lasker-Schüler so persönlich, fast intim, und setzen beim Leser so viel Verhältnis zu den Erlebnissen voraus. In ihrer Unausdrückbarkeit verkannt, sollen Erlebnisse von schwachen Händen lose geformt, wirken,- sie sprechen aber nidit aus eigener Kraft. Nicht aus Laune bloß sind alle diese Gedichte an einzelne Personen gerichtet. Sie sind nicht mit allem Notwendigen ausgestattet, um sich selber den Weg zum Ver* ständnis zu bahnen, Sie setzen zu viel voraus. Sie sind zu sehr »passives« Erlebnis *>* Oft nur neckische Spielereien, witzig, liebenswürdig, für einen Privatkreis gedichtet, also keine eigentliche Kunst. Man wird einst vermutlich unsere Epoche die dilettantische nennen. —- Noch nie gab es eine so große Anzahl so hoch begabter, intensiv erlebender, ehrwürdiger Dilettanten, einen ethisch so hoch gediehenen Dilettant tismus, der menschlich gesehen, unzweifelhaft höher zu bewerten ist, als manche hohe Kunst* In diesen Blättern galt es, den tragischen Dilettant tismns unserer Zeit nicht nur menschlich*positiv, sondern auch vom künst* lerisch-zweckfreien Standpunkt in seinen negativen Momenten zu prüfen. Mei'r Wiener. Tätiger Geist. Zionismus und Aktivismus. Der Zionismus will verwirklichen, umgestalten, ändern,- verwirklichen den urjüdischen Geist, ändern den jüdischen Menschen. Er appelliert an den Willen, der auf Neugestaltung, Schöpfung gerichtet ist. Er selbst ist Wille zur unbedingten <un*bedingten, d.i., von Dingen unbeschwerten, B1 ü h e r> Tat, Wille zur Entscheidung, die doch — nach Buber — im Zentrum der jüdischen Religiosität steht. Diese Entscheidung ist nicht von Zwecken beengt, sondern finalistisch gestimmt, zielbewußt. Es kommt auf die Änderung des jüdischen Menschen an, auf die Umgestaltung seiner inneren Struktur. Nicht Mensch werden —- und es jüdisch werden, auch nicht jüdischer Jude werden, sondern schlechthin Jude werden, Urjude. Der Urjude ist-doch der jfr* *> Dasselbe kann voä den Dichtungen aller bedeutenderer Dichter unserer Zeit behauptet werden. Ich erinnere nur an Alfred Monibert.

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