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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 299

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 299 (sequence 17)
Language
German
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Else Lasker~Schüler. 299 Eigenart. Zur Bekräftigung einige Beispiele aus Gedichten der Lasker- Schüler: »Vor meinem Herzen sitzt immer eine Tote Und bettelt um Almosen.« <Dem Daniel Paul Jesus <!» »Unsere Leiber ragen stolz, zwei goldene Säulen Über das Abendland wie östliche Gedanken.« <Unser Stolz.) »Alle meine Träume hängen an deinem Golde.« <Heimlidi zur Nacht) »Es blüht die Aster meines Mondes Mit deiner Lippen Rittersporen.« <Laurencis.) »Süßer Todesstrahl sein Haar.« (Ballade.) »Auf deinen Wangen liegen goldene Tauben.« <Mein Liebeslied.) »Sein Herz ging auf sieben Rubinen.« <Hans Ehrenbaum-Degele.) Sollten alle Beispiele erschöpft werden, man müßte alles, was Lasker-Sdiüler je gedichtet hat, wörtlich zitieren. Aber schon die wenigen werden genügen, um ihre Zugehörigkeit zur Art, die hier als orientalisch bestimmt wurde nachzuweisen. Zur psychologischen Rechtfertigung dieser Tropen eine Bemerkung. Wenn von einem Dichter eine Sommernacht mit einem blauen Edelstein verglichen wird, so denkt er schwerlich an einen wirklichen, kleinen, blauen Edelstein. Er beschreibt einfach eine erlebte Assoziation,- die Sommer^ nachtsstimmung soll mit jenem Stimmungsgehalt ausgedrückt werden, den das Bild oder Wort »blauer Edelstein« zurückläßt. Daß solche abstrakte Assoziationen oft vorkommen, lehrt die Experimentalpsychologie. Beim konzentrierten Anschauen eines blauen Papierstreifens können uns je nach Veranlagung allerlei Bilder aufsteigen, Einem vielleicht Anklänge an Sommer^ nachtsstimmung. Freilich, weil sie subjektiv sind, setzen solche Tropen allerlei voraus, unter anderem die Einstellung nach inneren, seelischen Merkmalen zu assoziieren, und ähnliche Abgestimmtheit. Die achtzehn »Hebräischen Balladen«, mit denen das Buch beginnt, sind kleine, althebräische Hoheliedlein, die in ihrer Spruchhaftigkeit an die Kirschen^ blüten japanischer Lyrik erinnern, in ihrer ungeduldigen Sprunghaftigkeit an die Blümlein Peter Hilles und irgendwie auch an Dichtungen Paul Scheerbarts und Alfred Momberts, wohl, weil auch in ihrer Skurilität ein letzter Rest von Absicht und neckischer Vermummung nicht fehlt. Die »Balladen« sind stark ineinandergekeilte Miniaturen, Umschreibungen biblischer Figuren, auf die bloße Seele reduziert,- äußere Geschehen dienen inneren zu Symbolen. Biblischer Geist nach eigenem Bilde umgeschmiedet. Von allem Vertrauten wird abgesehen, auch vom üblichen »Wesentlichen«, nur gewisse uner^ wartete, rein gefühlsmäßige Momente, die Rückschlüsse auf Seelisches veranlassen, werden hervorgehoben. Eigen umgeformte biblische Gestalten und Geschehnisse werden zeitlose Symbole, allem zufällig Individuellen enthoben. Hier ist auch der Sinn des Symbols, echt jüdisch, erst Symbol für ein Höheres, Unausdrückbares im menschlichen und göttlichen Ereignis. Etwa: In einer Seele wurden biblische Blümlein wie in einem Buche aufbewahrt, gepreßt und getrocknet. Da ließen sie ihren Duft und nahmen den der Seele, ihres Aufenthaltsortes an,- von ihrer früheren Gestalt behielten sie nur einflächige, kaum an einstige Formen gemahnende ^Konturen. Bekamen auch den Reiz alter, wehmütiger Erinnerungen, der solchen

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