Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 296 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Me'ir Wiener: schwerlich einfallen. Er wird diese Tropen überall abgeschmackt finden und doch entnehmen wir sie dem Hohelied, von dem Goethe <W.-ö.JD. Noten) sagt, es sei »das Zarteste und Unnachahmlichste, was uns vom Ausdrude leidenschaftlicher, anmutiger Liebe zugekommen«. Der Abendländer verwendet überhaupt nur selten Tropen, weil sie die Genauigkeit eher verwirren. Bei Goethe z. B. fehlensie fast ganz,- wo sie vorkommen*) werden durch sie selten Gegenstände geschildert, sondern Geschehen, Vorgänge mit Hilfe entlehnter Zeitwörter veranschaulicht, wie es in der deutschen Literatur seit Liliencron zum Unfug ausartete. Ursprünglich aber Folge der zusammendrängenden, »ineinanderkeilenden« Technik. Die Gleich^ nisse der Uiade wollen auch nur Geschehnisse durch andere, einfachere verdeutlichen und nicht Gegenstände**), wie die orientalischen Tropen. Das ursprünglich rhetorische Mittel der MaschaMParabel, wie aus den Vorgänge veranschaulichenden Gleichnissen der Propheten (typisch: Jeschajah 5, das Gleichnis vom Weingarten, oder die Gleichnisse der Evangelien) klar hervorgeht, verwendet der Grieche geschickt zur Situationsschilderung. Tropen blieben seinem Wesen fremd, er findet sie «hyperbolisch«. Die Tropen wollen unsere Aufmerksamkeit auf die Eigentümlichkeit einer Erscheinung dadurch hinlenken, daß sie unserer Phantasie einen Gegenstand in Erinnerung rufen, der seinem ganzen Wesen nach diese Eigentümlichkeit in drastischer Weise verkörpert, und sie gesteigert, übertrieben lebhaft vor Augen führt. Der ökzidentale wira darauf achten, daß sein Vergleichsobjekt bis in die Enzelheiten passe, und eine Durchführung bis zum Ende zulasse. Dem Orientalen braucht es nur eine gewünschte Eigenheit drastisch auszudrücken, für die anderen holt er neue Gleichnisse. ,<Die Schilderungen der Geliebten und des Ge^ liebten im Hohelied). Von den weiteren Eigenschaften der Trope wird Beispiele: »Schon stand im N e b e 1 k 1 e i d die Eiche.« »Wo Finsternis aus dem Gesträuch Mit hundert schwarzen Augen sah.« »Der Mond von einem Wolkenhügel Sah kläglich aus dem Duft hervor.« »An ihres Daseins unendliche Kette.« »Sorge! sie steigt mit dir zu Roß.« »Im dunklen Laub die Goldorangen g 1 ü h n.« usw. **> Ebenso in der lateinischen Dichtung. Typisch ist das Gleichnis von der tanzenden Lichtspiegelung: Virgil Aeneis VIII Z2, oder von der getroffenen Bärin: Lucian VI 320. P3 W Ifttt» I - : ».rh* *rtf ) 7 - T // 7/