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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 295 (sequence 13)
Language
German
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Else Lasker^Scfiüfer. 295 tale im Streben zur »genauen« Wahrheit berichtigt immer wieder seine Erlebnisse, sonst wären sie für das Tun unbrauchbar/ der Orientale in seinem zweckfreien Denken schaltet nichts Überwundenes aus, weil kein Zweck ihm ein Je-Brlebtes entwerten kann. Nur Zweckdenken fördert Überwundenes zu Tage. Daher der Konservativismus im Orient, der Erlebnisse häuft, nicht revidiert. Noch der umwälzende Reformator muß dem Orientalen im »Alten Bund« verheißen sein, sein Leben, Lehren und Tun müssen sich den Weissagungen der nicht überwundenen »Schriften« fügen. Entscheidende Bestimmungen, wie die von der »Gottmenschheit« sind oft unberichtigte Mißverständnisse alter religiöser Erlebnisse, hier der alttestamentarischen Begriffe vom »Gottessohn« und »Menschensohn«. Der Orientale läßt sich in seinem inneren Schauen vom äußeren nicht stören, weil es stärker ist und das äußere notfalls völlig zu umhüllen vermag. Genaues Messen, Erkenntnisökonomie, wie sie am Beginn ihrer Erfüllung Bacon verkündet, alle Erkenntnis in der technischen Bewährung gründend, und das Ziel in Beherrschung erkannter Wirklichkeit verlegend, muß tiefer in der Seele der Okzidentalen verwurzelt sein. Es nur dem Zwang und der Not der Übervölkerung zuschreiben wäre far zu einseitig »materialistisch«. Der Okzidentale muß sich in Gottes^ unde vom Orientalen belehren lassen, weil sich ihm seine Gotteser^ kenntnis gleich im Keim durch seine messende Berichtigungen zersetzt. Wissenschaft entsteht auf dem Weg zur Praxis, Gott offenbart sich in zweckfreier beruhigter Beschaulichkeit. Kurz: das östliche Gleichnis will weitabgewandt, in sich verschlossen verhüllen, das westliche, weltzugewandt enthüllen,- das erste will zweckfrei <unsachlich> schmücken, das andere zweckvoll <sachlich> entblößen. Aus der Verschiedenheit der Bestimmung erklärt sich auch die Wesensverschiedenheit. Das orientalische Vergleichsobjekt braucht mit dem Dargestellten nicht viel Gemeinsames zu haben, wenn es nur an sich schön ist und dem Gegenstand des Entzückens schmeicheln, ihn »preisen« kann. So große Bedeutung hat das Preisen im Leben des antiken Orient talen. Das westliche Gleichnis muß sachlich sein. Wird eine Frau mit einer Blume verglichen, so mit einer, deren äußere Eigentümlichkeiten auch wirklich die der verglichenen Frau hervorheben können,- das orientalische Gleichnis wird einfach die konventionell schönste Blume nennen. Worte des Geliebten mit Honig und Milch zu vergleichen, den Namen des Geliebten mit Duftöl, den Geliebten mit einem Myrrhenstrauß, den Hals des Geliebten mit dem Davidsturm, ihr Haupt dem Karmelberg, Wangen der Geliebten mit Blumenbeeten*, wird dem Abendländer // '♦*jos? prm

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