Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 291

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 291 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437761--338-3776726
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Hugo Bergmann: Ober Moses Heß. 291 in erschreckender Hilflosigkeit, die Gastfreundschaft Wiens genießen —- wer wird es wagen, frage ich vor diesen doppelt Elenden — Elend heißt auch Fremde, hinzutreten, unschuldiges Blut für schuldiges zu fordern? Die Hand muß verdorren, die sich freventlich erhebt gegen das Unglück dieser Menschen. Ehrfurcht vor dem Leben jedes Einzelnen! Wie recht hat der weise Lehrer Lynkeus, der hierin die Quelle aller Gerechtigkeit sieht. Ein neues Licht wird fließen in das Dunkel des Ghetto, wenn alle die neue Erkenntnis fest und unerschütterlich besitzen werden. Die Er^ kenntnis der wahren Gegensätze. Nicht Jud und Christ, nicht Germanen und Slaven, nicht einmal Deutsche und Engländer, sind die wahren. Feinde, nicht Konfessionen und Nationen befehden einander unverletzt. Nur der wirtschaftliche Gegensatz, der Klassenkampf ist der allein be^ rechtigte Krieg. Der jüdische und arische Kriegsgewinner gegen den jüdischen und arischen Kriegsverlierer. Dies ist die Front von heute. Die gerechte Front. Das System ist allein schuldtragend! In der Sprache der Weisheitsfreunde ausgedrückt: Das Sein regiert das Bewußtsein. Das schlechte System zwingt die Menschen zum Betrug und betrügen kann man bekanntlich immer nur auf Kosten eines Betrogenen. Wehe aber, wenn der ungerechte Streit ausgefochten wird! Denn- Eher soll die Menschheit aufhören zu existieren, be^ vor die Gerechtigkeit untergeht. So sagte einst ein Arier. Es war allerdings Kant. Die aus dem Dunkel Hinausstrebenden, die nach Licht dürsten, denn auch solche gibt es dort, werden aber einst Führer sein. Führer den Brüdern, und Lehrer der Irrenden. Die Traurigen werden fröhlich sein. Denn dann wird Liebe strömen aus allen Herzen und Gerechtigkeit wird herrschen auf Erden. Heute. Auf der Elektrischen: »Wenn ma nur d' Juden umbringa tat! Alle!« — Jawohl alle, hat er gesagt, alle. — Bruno Frei. Über Moses Heß. Moses Heß hat im Bewußtsein der Zionisten, die seinen Namen der Vergessenheit entrissen haben, dennoch nur eine halbe Auferstehung gefeiert. 1862 war »Rom und Jerusalem« nach dem Worte Zlocistis — des Herausgebers von Hessens kleinen jüdischen Schriften — in den totenruhigen, morastigen Teich der jüdischen »Öffentlichkeit« wie ein Stein hineingefallen, der Kreise zog und Wellen schuf/ aber das Buch wurde dennoch bald wieder vergessen, als die Wellen sich beruhigten. Der Zionismus hat es dann wieder in Erinnerung gebracht, aber »Rom und Jerusalem« wurde in den großen Topf jener »Vorläufer« geworfen, auf die man sich nur in der Einleitung zionistischer Vorträge -berief. »Schon 1862« usw. Und die jüngste zionistische Generation scheint Heß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.