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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 288 (sequence 6)
Language
German
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288 Abraham Sdiwadron: Audi ein Wort zu den Pogromen. Böhmens — Mährens —* und selbst in-Wien wurde eine Art Selbstwehr organisiert. Wir haben in den vier Jahren des Krieges sicherlich mehr Opfer gehabt, mehr Schläge erhalten — so tief schmerzlich aber wie die der Pogrome waren keine! Und die Protestier haben protestiert, die Barmherzigen haben gespendet und die Klagesänger die Opfer beklagt. Ich habe vielen der Protestver^ Sammlungen beigewohnt und es war darunter keine, in der nicht kluge und gesetzte Männer feierlich, mit Stolz und Befriedigung versichert hätten: »Wir Juden.kennen keine Rache.« »Können« hat keiner gesagt. Denn es waren dies kluge und gesetzte Männer, reife Männer. Und das Herz zerspringt von der Wucht des Schmerzes und des Zornes und findet nur noch ein wenig Trost in der Hoffnung, daß es unter euch junge Juden viele gibt, die »können« sagen, die zahne* knirschen und weinen: »Wir können nicht!« Der war auch ein Jude, der in dem Psalm »An den Wassern Babels« aufschrie: »Heil dem, der dir das vergilt, was du an uns getan!« .... Und merke dir das, Judenjugend der ganzen Welt: Unter den Pogrom^ tätigen haben jüdische Mittel- und Hochschüler ihre Kameraden erkannt! Und junge Juden waren es auch, die jetzt nach den Pogromen zu den lieben Nachbarn ein anderes Verhältnis annahmen, als das der Korrektheit und des moralischen Gekränktseins der Reifen. Herzlichsten Abscheu und aufgewühlte Empörung haben diese jungen Juden jenen in Lemberg gezeigt, mit denen sie nicht auf derselben Schulbank sitzen wollten. Das erscheint mir als eine neue Note in unserer Psychologie: Die innerste Aufbäumung gegen die Galuth, daß Juden einfach aufhören, das Leben in der Atmosphäre des Hasses und der Verachtung ertragen zu können. Dies, dieser Zorn allein, bin ich überzeugt, wird uns erlösen! . . . Und vorläufig ist wieder Ruhe, d. i. Waffenstillstand. All unsere Ruhe ist nichts anderes als verschieden lange und an verschiedenen Frontteilen zu verschiedenen Zeiten eintretende Waffenstillstände im »spezifischen Judenkrieg« der ganzen Galuthzeit. Und 1905 versuchten junge Juden zum ersten Mal in neuerer Zeit den »spezifisch jüdischen« Charakter der Kämpfe aufzuheben: Sie gründeten Selbstwehren. Seit jener Zeit taten sie es beinahe bei jedem Pogrom. Aber sie wurden fast überall vor den Überfällen von den Behörden entwaffnet und die »Tradition« setzte sich fort. Und ich sehe es als richtig und vernünftig ein, daß die Selbstwehren bei den Entwaffnungen sich nicht in einen aussichtslosen Kampf eingelassen haben. Sie wären niedergemacht worden, wären also niemandem mehr Schutz gewesen und solange noch die Möglichkeit bestand, das Leben zu retten, wären zwecklose Opfer Unsinn gewesen. Aber in den Torep vieler brennender Häuser in Lemberg standen Legionäre und verhinderten die Flucht der verbrennenden Juden, der

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