Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 287 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Abraham Schwadron: Audi ein "Wort zu den Pogromen. 287 Traun! Ein Geist des Elends, voll Pein und Sdimerz, sperrte sidi selber hier in den Kerker, preßt7 sich allda in ewiges Weh und will sich nicht trennen ... Schmerzensmatt und müde-kraftlos flattert umher eine schwarze Schechinah* in allen Winkeln dahier und findet die Ruh nicht. Weinen will sie und kann nicht, aufbrüllen will sie — und schweigt. Stumm in Trauer vergehend und leis' in sich würgend, breitet sie weit ihre Schwingen über der Heiligen Schatten —' das Haupt in den Flügeln vergrabend, birgt im Dunkel die Träne und weint ohne Worte . . — — Auch du nun, Menschensohn, verschließ dir die Pforte, sperr dich hier ein ins Düster und senke den Blick zu Boden, steh7 ohne Ende also, du allein mit dem Schmerze, und fülle mit ihm dein Herz für all deine Tage. Und zerschellt dir einst die Seele, verliert sie all ihre Kraft —' dann bleibe der Schmerz dir geborgen, eine Quelle von Gift. Gleich einem Fluche, so lag're er sich über dich,- wie ein Wahn, so bringe er dir Entsetzen! Er halte dich fest und drücke dich tief, wie ein Alpdruck schaurigen Traumes! Du trägst ihn im Schöße nach allen Enden der Erde und suchst ihm das lösende Wort —* aber du findest es nicht! Audi ein Wort zu den Pogromen. Der Weltkrieg, der unserem Volke so viele und so schwere Wunden geschlagen hatte, war soeben überwunden, auf Grund der Prinzipien von Völkerfrieden und Völkerverbrüderung überwunden, und wir durften auch in der Galuth die baldige Heilung der Kriegswunden erhoffen. Aber der allgemeine Krieg war tot — es lebte der jüdische auf! Der seit achtzehnhundert Jahren spezifisch jüdische Krieg, in dem die eine Seite immer nur geschlagen, wird und die andere immer nur schlägt: Pogrome. Und die Kampffront dieses Krieges verzieht sich immer mehr vom Osten nach dem kultivierten Westen. 1882 wurde die Welt überrascht vom ersten Pogrom der neueren Zeit, etwa 100 Jahre nach der französischen Revolution und ihrer Verkündigung der hohen Menschheitsideale. Das war im tiefen, »finsteren« Rußland. Gott sei Dank: dreißig Jahre Kultur^ fortschritt seither, Evolution, Revolution, und einer der schrecklichsten Pogrome wütete jetzt in Lemberg und bis nach unzähligen Orten Westgaliziens und Ungarns gelangte die mächtige Pogromwelle, bis zur Schwelle Deutschösterreichs, bis nach Holleschau und anderen Orten * Etwa die Herrlichkeit Gottes auf Erden, manchmal mit Beziehung auf die Vor* Stellung von der göttlichen Vorsorge für das jüdische Volk. 21+