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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 283

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 283 (sequence 45)
Language
German
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Menschen —' Bücher — Bewegungen. 283 auf diese Weise vorzubringen vermag, einseitig, dilletantisch, vielleicht sogar un* vernünftig ist und notwendigerweise sein muß, solange jeder von uns nur aus seiner eigenen Beschränktheit heraus denkt, ohne die Möglichkeit seine Vor* schlage irgendwie zu erproben, und das erst wäre ja der Beweis für ihre Be* rechtigung, das erst würde erweisen, ob sie imstande sind, das von jedem deutlich gefühlte Problem auch zu lösen. Die deutsche Jugendbewegung ist in einer glücklicheren Lage,- ihr schwebt eine ganz konkrete Schule vor, die viele von ihnen gesehen haben, in der manche einige Jahre gelebt haben und von der sie zu sagen berechtigt sind, daß sie die Schule der Jugend und der Zukunft sei. Eine große Zahl der Führer in den deutschen Jugendgruppen zieht als Kon* sequenz aus ihren Anschauungen, die sie in der Jugendbewegung erworben haben, ein lebhaftes und ernstes Interesse für alle pädagogischen Fragen, ein Studium ihrer modernen Literatur und ihrer In* stitutionen. Für die jüdische Jugend er* scheint mir dies ganz unerläßlich, daß auch sie ein intensives Studium der Pädagogik beginnt, denn sie trägt doppelte Verantwortung für alles, was nun an Erziehungseinrichtungen bei uns im Westen und im Osten werden wird und vor allem für die Gestaltung des ge* samten Erziehungswesens in Palästina. Es darf nicht sein, daß wir hier aus Unkenntnis und Schlendrian nichts anderes tun als das Vorhandene ins Jüdische und Hebräische zu übersetzen. Jugend und Volk, ihre Gegenwart und Zukunft hängt davon ab, ob es dem jüdischen Volke gelingen wird, ein jugendgemäßes, wahr* haftiges Kulturschulwerk zu schaffen oder ob es sich mit der Veraltungs* maschine, mit dem Verbildungsapparat, den man europäisches Erziehungswesen zu nennen beliebt, selbst verkümmern und verstümmeln wird. Es gibt keine bessere Einleitung in die Pädagogik, als das Studium der Schriften der bedeutenden Pädagogen, insbesondere der heute Lebenden, die mitten im Kampfe stehen und von denen zwar wenigen aber dennoch einigen Gedanken und Werke gelungen sind, deren eigentliche Frucht erst in Jähr* zehnten aufgehen wird. Wir müssen uns an die großen Neinsager in der Pädagogik halten, an diejenigen, die, geleitet von einer großen Konzeption und einem Ideal des Lehrers, der Schulge* sinnung, der Jugend und Kultur, sich auflehnen gegen all das Geschreibe und Getue der Gegenwart. Und unter diesen wieder müssen jene unsere Lehrer sein, die nicht theoretisch und abstrakt allein ihre Pläne bauen, sondern denen ein neuer Schultypus in der Wirklichkeit ge* lungen ist, hervorgegangen aus dem leben* digen Kontakt mit der Kindheit, Jugend und den konkreten Problemen, die sich aus der Leitung einer bestehenden Schule ergeben. Es sind die drei Namen Maria Montessori, Berthold Otto und Gustav Wyneken, auf die hier die Aufmerk* samkeit der jüdischen Jugend nachhaltig gelenkt sei. Alle drei wirkliche Neu* Schöpfer und Gestalter, alle drei Menschen, die aus dem praktischen Schulleben heraus denken und hahndeln, alle drei Leiter neuer Schulen, aus ihrem Geiste und zu ihrem Ziele geschaffen. Maria Montessoris Buch »Selbsttätige Er* Ziehung im frühen Kindesalter« ist weniger als ein Handbuch der Kinder* gartenlehre und ist doch mehr als alle dieser Art zusammen. Es ist einfach die Schilderung, wie eine feine Frau mit Liebe zu Kindern, geschult an den schwersten Problemen der Medizin und Psychologie, vor die konkrete Aufgabe gestellt, Proletarierkindern eine erträgliche Tagesheimstätte zu schaffen, die Schöpferin einer ganz neuartigen, unserer Klein* kindererziehungsmethode geworden ist. Es ist ihr einziges Werk, das in deutscher Sprache geschrieben ist, aber wer dieses wirklich in sich aufgenommen hat, besitzt einen untrüglichen Wertmaßstab, nach dem er von da an Scharlatanerei und schöpferische Erziehung zu unterscheiden vermag. Keine Führerin in der Jugend* bewegung, kein jüdisches Mädchen über* haupt, dürfte versäumen, das Buch zu kaufen und immer wieder darin zu lesen,- in keiner jüdischen Bibliothek dürfte es fehlen. Aber auch die jungen

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