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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 282

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 282 (sequence 44)
Language
German
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282 Menschen ~ Bücher — Bewegungen. Frage ist keineswegs so lächerlich wie sie scheint, denn etwas Ähnliches wie diese Trivialisierung sehen wir bereits vor uns! Das »jüdische Kunstgewerbe«, das von Palästina nach Europa importiert wurde, ist ja auch nichts anderes als Darmstädter und Wiener Anregungen, die mit »jüdischen Motiven« verknüpft wurden. Daß diese Art zu gestalten und zu sehen etwas ganz und gar Europäisches, Unjüdisches ist, scheint bislang noch nicht aufgefallen zu sein. Daß von einer jüdischen Kunst nicht die Rede sein kann, weil siebenarmige Leuchter, Bromimbüchschen und Gesetzestafeln in Teppiche gewirkt und mit anderen kunstgewerblichen Erzeugnissen verknüpft wurden, das brauchte nicht erst besonders ausgesprochen zu werden. Es ist dies im gleichen Sinne eine nationale Phrase in der Kunst, wie etwa die Siegesallee oder andere Errungenschaften wilhelminisch^berlinischer Kunstpflege! Eine jüdische Kunst kann nicht geschaffen werden, weder auf diesem noch auf anderem Wege. Es ist möglich, daß sie sich noch einmal entwickeln wird, wenn die sonstigen Voraussetzungen eines jüdischen Gemeinlebens verwirklicht sind. Unsere und die nächsten Gene* rationen werden vielleicht bedeutende Kunstwerke hervorragender jüdischer Künstler noch kennen lernen, nicht aber Denkmäler einer autonomen jüdischen Kunst. Es ist nicht möglich, ohne den Tatsachen Gewalt anzutun, bestehende Kunstwerke als spezifisch und eindeutig jüdisch zu charakterisieren, es sei denn, man schüfe Definitionen jüdischer Geistesärt ad hoc eben nach diesen gegebenen Kunstwerken. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde auch eine derartige vorsichtige Definition gegeben, die vielleicht oder sogar sicher nicht alles erschöpft, was über das Jüdische in der Kunst zu sagen ist, aber dafür wenigstens nicht einer Theorie zuliebe die Tatsachen der Kunstgeschichte vergewaltigt, Paul Zucker. _| Menschen — Bücher — Bewegungen [ Die neue Schule. Wenn in der Jugendbewegung von den Forderungen der Jugend gesprochen wird, eine neue Schule, eine wahre Heimstätte der Jugend zu schaffen an** statt des bestehenden Erziehungssystems/ wenn insbesondere bei uns von der jüdischen Jugend die allgemeine jüdische Schule verlangt und dabei betont wird, daß es sich der jüdischen Jugend nicht darum handle, eine beliebige Schule, das Abbild der heutigen deutschen oder europäischen Schule zu bekommen, son* dem sie mit allem Nachdruck ihre Sehnsucht nach der Schule ausspricht, so wird immer erwidert, dies^seien Abstrakt tionen, allgemeine Wünsche und Be* hauptungen, die so lange wenigstens ohne Wert sind, als sie nicht in konkretisierte und präzisierte Forderungen gefaßt werden. Und gerade aus der Jugend selbst erheben sich solche Stimmen. Trotzdem jeder unter der gegenwärtigen Schule leidet oder sich deutlich erinnert, daß er noch vor kurzem an ihr gelitten hat, vermag er sich dennoch keine zu* treffende Vorstellung von einer Institu* tion zu machen, die wenigstens künftigen Generationen die Qual und die Sinn* losigkeit des heutigen Schülerdaseins ersparen würde. Und wenn er es selbst versucht, aus seinen persönlichen Erfahrungen heraus, nach seinen eigenen Wünschen zu verallgemeinern, muß ihm die Selbstkritik sagen, daß alles, was er

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