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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 279

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 279 (sequence 41)
Language
German
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Die nationale Phrase in der* Kunst. 279 oder ein Shakespeare aus der englischen Literatur abgeleitet oder ver^ standen werden! In diesen Erscheinungen offenbart sich etwas, was in den Taineschen Lirelementen nicht enthalten ist, was über sie hinausgeht und überhaupt durch irgend eine Begrenzung sozialer Natur nicht erfaßt werden kann. Wie sind andererseits, wenn man allein sich auf die Taineschen Elemente beschränken will, die ungeheuren Verschiedenheiten in den Schöpfungen der Kinder eines Landes und einer gleichartigen Umgebung zu erklären? Welch unlösbaren Widerspruch bildet allein die Tatsache der Stilwanderung zu allen Rassekunsttheorien! Wir brauchen nur zu erinnern, daß die Gotik in Franreich — und durchaus nicht in einem Teile Frank* reichs mit rein germanischer Bevölkerung —* entstanden ist und nachher ihre deutsche Bntwickelung weiter zu verfolgen!! Der fanatische Rassen^ teorethiker stempelt einfach jeden bedeutenderen italienischen Künstler zum Germanen <vergl. z. B. die Ausführungen Wilsers über Michelangelo und Leonardo oder die »Gedankengänge« und »historischen Nachweise« H. St. Chamberlains) oder er erklärt gewisse Entwicklungsabschnitte der Kunst von vornherein als minderwertig. Beispiele solcher gewaltsamen Vereinfachungen des Problems ließen sich viele anfuhren. Andererseits ist die ungeheuer starke Verwurzelung der Kunst im Nationalen natürlich nicht zu leugnen. Dürer und Hans Thoma sind rein deutsch und nur vom rein deutschen Standpunkt aus mit ihren Vorzügen und künstlerischen Schwächen zu verstehen. Dickens etwa und Puschkin, Racine und Dostojewski, sie alle können nur aus dem Genius ihres Volkes heraus ganz verstanden, ganz nachempfunden werden. Schon die Nennung dieser Namen beweist, daß wir auf den nächstliegenden Gedankengang verzichten müssen: Nur die ganz großen Künstler seien übernational, die minderen Grades dagegen dem nationalen Moment enger verbunden. Denn zweifellos gehören von den Angeführten, ganz beliebig herausgegriffenen Beispielen doch zum mindesten die national determinierten Dürer und Dostojewski in dieselbe künstlerische Größen^ Ordnung wie die ihrer Rasse weniger verhafteten Michelangelo und Rembrandt. So bleibt die Erkenntnis, daß die Zugehörigkeit des Künstlers zu seiner Rasse oder zu seinem Volke, wie sie sich in seinen Werken ausspricht, in keinem erkennbaren positiven oder negativen Zusammenhange mit dem Werte seiner Produktion steht Wird also Ablauf und Folge geistiger Epochen vom Historiker derart unbefangen betrachtet und ist er in der Lage, alles bewußt oder unbewußt Tendenziöse auszu^ schalten, so bleibt das Ergebnis für den Kampfruf der Tage ein recht negatives. Er erkennt .Zwang mit Gegebenheiten, sieht zwar die Zusammenhänge, aber auch die Faktoren, die sie durchkreuzen. Ein feingliedriges Netz vielfach verflochtener Beziehungen wird sichtbar, dessen sinnvolle Ornamentik zu entwirren er sich bemüht. Ausgehend von der Erkenntnis dieser Relationen und Relativitäten und in voller Klarheit über den Grenzwert aller derartiger Urteile wäre der Versuch zu unternehmen, Erscheinungsform und Wesen, ja überhaupt Existenz einer jüdischen Kunst zu untersuchen. Gibt es überhaupt eine

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