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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 278 (sequence 40)
Language
German
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278 Paul Zucker: keiten in der Flamme des einen starken und religiösen Willens zusammen —• Und wir haben die neue Form! Sollen wir darauf warten, sollen wir andern, nur durchschnittlich Be* gabten die Hände in den Schoß legen, oder sollen wir nicht die Jugend vorbereiten, daß sie dann rein und stark sei, wenn — Meschiach kommt? Noch einmal: Zerrissenheit ist eine Krankheit, die der Erzieher nicht haben darf. Aber suchen darf er, er muß es sogar, um Erzieher sein zu können. Und das Gemeinsame des Suchens wird Jugend und Erzieher zur Gemeinschaft fuhren, zu der religiösen Gemeinschaft, die das Juden* tum fordert. Ich begrüße Sie, Herr Doktor, in größter Hochachtung und Ergebenheit Hede Bloch. Die nationale Phrase in der Kunst.*) Werden politische oder rassemäßige Gegebenheiten zum Ausgangspunkte kunstkritischer Betrachtung, liegt die Gefahr des Fehlurteils nahe. Allzuleicht wird Wunsch und Wille auf das zu beurteilende Tatsachenmaterial übertragen, werden Abgrenzungen und formale Tendenzen konstruiert, weil sie dem rationalen Schema einer bestimmten Mentalität entsprechen. Die »Kulturphilosophien«, die zu Anfang des Krieges auftauchten und in denen nachgewiesen wurde, daß Shakespeare kein Engländer, sondern eigentlich ein Kind deutschen Geistes sei, daß alle englische, französische und italienische Kunst ungeistigr trivial und frivol sei — diese Wertungen künstlerischer Persönlichkeiten und Fakten mahnen zur Vorsicht und zeigen, wohin Verquickung willensbetonter nationaler Stammeszugehörig* keit und ästhetischer Einsicht das Kunsturteil führen und mißleiten können. Taine hat durch seine »Philosophie de l'art« befruchtend und suggestiv die Anschauungen eines Zeitalters geformt. La race, le milieu, le moment, das schienen einer in Oberwertung naturwissenschaftlicher Begriffe befangenen Epoche als die ausschließlichen gestaltenden Faktoren des Kunstwerkes. Zweifellos liegt viel Bestechendes in dieser Theorie. Betrachtet man etwa die sich über Jahrhunderte erstreckende Einheitlichkeit der nieder* ländischen Malerei oder die ganz eindeutige Eigenart der französischen Literatur, Werke des 17. und 19. Jahrhunderts vergleichend, so muß ohne weiteres die starke Geschlossenheit der von einer Rasse in verschieb denen Epochen hervorgebrachten Kunstwerke auffallen. Aber ebenso, wie wir diese rassemäßig gegebene elementare Kraft in der künstlerischen Gestaltung unbedingt zu erkennen vermögen, müssen wir zugebenr daß sie zur Erklärung des Phänomens der einzelnen großen Künstlerpersönlich* keit nicht im entferntesten ausreicht. Wie kann ein Velasquez aus der sonstigen spansichen Malerei, ein Rembrändt aus der der Niederländer *> Auf Literaturnachweise wurde von vorneherein verzichtet, da es sidi jeweilig bei den zu zitierenden Quellen um Spezialarbeiten unter einer bestimmten Devise handelt.

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