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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 276

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 276 (sequence 38)
Language
German
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276 Hede Bloch: gleichsam ganz aus gedrängter und lauterer Willenskraft besteht und gerade dort traditionslos beginnt, wo das alte Judentum mit all seiner Weihe und Gemütsklarheit seine Grenze hat. Und wenn ich die Welten der beiden Bücher nebeneinander betrachte, so drängt sich mir die Frage auf: »Muß nicht irgendwann einmal zwischen diesen beiden Weltender elektrische Funke zusammenschlagen, daß an einem Punkte einmal innere und äußere Wirklichkeit, unbewußte Kraft und geistiges Leben neuschöpferisch sich vereinigen? . . .« Ernst Müller. Gesetzestreue oder Auflehnung. Sehr geehrter Herr Dr. Lewy! Sie antworten mir im 4. Heft des Jerubbaal auf meinen Rundbrief, in dem ich anfragte, wie wir uns zur Frage der religiösen Form unsrer Jugend gegenüber stellen sollten. Darf ich Ihnen zuerst von Herzen für diese Antwort danken,- ich glaube, daß ich mich in jeder Beziehung zu Ihrer Auffassung bekennen kann. Aber damit ist das Problem für uns noch nicht aus der Welt geschafft. Über aller Diskussion steht das muß ich vorausschicken — daß wir uns innerhalb des Heims selbstverständlich allem fugen, was unsre Jugend rein äußerlich von uns fordert. Ich bin ein Jahr lang Siedlerin gewesen und bin daher orientiert. Die Fehler, die früher gemacht wurden, und solche, die heute —* doch nur aus Unkenntnis noch vorkommen mögen, sind uns wohl nicht anzurechnen. Wir haben und das ist die Haupt* sache, — in den zwei Jahren Volksheimarbeit eine ganz andere Ein* Stellung zu diesen Fragen bekommen. Nun aber das andere: die innere Stellung zum Gesetz. Ich gehöre innerhalb der Helferschaft zu denen, die am meisten ein Wiederaufnehmen der Formen fordern. Ich stehe nicht mehr auf dem Standpunkt meines Rundbriefes: lieber formlos leben, als etwas mitmachen, was uns noch nicht — oder nicht mehr — inneres Gebot ist. Ich halte den Freitag Abend, ich halte die Feste, sicherlich nicht nach allen Regeln der Ortho* doxie, aber mit dem tiefen Wunsch, in mir die Stimmung zu erzeugen, mit der seit Jahrhunderten unser Volk diese Augenblicke erlebt. Ich habe mich lange damit gequält, ob das nicht Sentiment ist, ein gewisses Es* sich*leicht*machen auf der Jagd nach dem Erlebnis, ich muß Ihnen offen bekennen, ich weiß es heute noch nicht. Ich habe bestimmt und ungekünstelt die Sehnsucht nach der gebundenen Form <ich glaube auch, daß die »Erlebnis« sucht in der heutigen westjüdischen Jugend dahin umgebogen werden könnte) ich bin dankbar, daß mir innerhalb einer Gemeinschaft eine solche geboten wurde. Aber mir ist gesagt worden — und das hat mich nachdenklich und beinahe irre gemacht — daß es Profanierung sei, Formen, die unseren Vorfahren dazu dienten, Höchstes und Heiligstes auszudrücken, als Weg zur nationalen Gemeinschaft zu benutzen. Sehen

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