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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 275

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 275 (sequence 37)
Language
German
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Aus zwei jüdischen Welten. 275 Pionierleben aus dem gegenwärtigen Palästina! Willensharte Gestalten, in denen sidi die Überkommenschaft des träumereichen Ghetto mit jener des revolutionären Rußland vereinigt, Spätlinge Europas, aber Erstlinge in Palästina, um neu zu beginnen: ein eigenes Leben der Arbeit, das nationale Leben einer künftigen Gemeinsdiaft. Sie kamen aus verschiedenen Landstrichen und Lebenssphären, nur münden ihre Biographien in diesem einen Punkte zusammen. Da ist der bis zum Übermut frohsinnige Berl Schweiger, den ich nebst mehreren anderen noch kannte, der der Schule von Mikweh Israel entlief, um in eine angegriffene Kolonie zu eilen und dann in Galiläa einer der ersten und treuesten Wächter wurde,- da ist der jerusalemitische Setzerjunge, der, von der neuen Bewegung mit* gerissen, mit naiver Begeisterung sich den Namen der hebräischen Arbeiter^ zeitung beilegt und den der erste Erntewagen, den er heimführt, begräbt,- da ist der Lidaer Jeschiwajunge Samuel Friedmann, der noch als Feld^ arbeiter die Gewohnheit hat, morgens und abends ein Stück Talmud zu lernen, da ist Nissanow, der kerngesunde Kaukasier, der ganz von der liebevollen Schönheit der Natur durchdrungene neunzehnjährige Mosche Barski, der »bürgerliche« Zionist Plotkin, der es als die glücklichste Stunde seines Lebens bezeichnet, als er morgens mit seinen beiden Söhnen am Pfluge steht und seine Tochter ihnen das Frühstück: herausträgt,- da ist der verhalten-leidenschaftliche Meir Chasanowitscfa mit seinen ekstatischen Liedern, der in Tracht und Lebensführung fast ein jüdischer Beduine geworden ist,- der Jaffaer Gymnasiast Turner, den es nicht mehr in der Schule duldete, seit er das neue Leben an den Ufern des Kineretsees gesehen,- der »Amerikaner« Clay mit dem eisernen Willen und der breiten Leutseligkeit. Sie alle waren nach Palästina gekommen, getreu einem Ideal, das sie nicht bloß in äußerlichem Organisationstriebe, sondern auch im Leben jedes Einzelnen wahr machen wollten. Aber weiter zog es sie von Judäa, das zu wenig ihrer Auffassung des Pionierlebens entsprach, nach dem schlichteren und jungfräulicheren Galiläa und schließlich vom Leben des Feldarbeiters auf den verantwortungsvollen Posten des jüdischen Wächters. So vereinigten sie in gewisser Beziehung einen neuen Friedens^ träum mit hartem Kriegerleben und fielen die meisten von ihnen in Kämpfen, welche das neue Geschlecht eines unbeugsamen, organisierten Willens mit einer neidischen Eingeborenschaft verwickelten. Und wieder sind es Menschen derselben Welt, Freunde, ja Brüder, welche ihnen, ursprünglich in hebräischer Sprache, die Worte dieses Buches widmeten, das jetzt Martin Buber in deutscher Sprache herausgegeben hat, und uns berichten von einem glühenden Leben, dessen tragische Krönung ihr Tod gebildet. Seltsam, wie da der Tod gleichsam konsequent dort eintritt, wo diese Menschen an dem Gipfel ihrer Tatenwünsche stehen und daß erst in seiner Beleuchtung die Gesinnung dieser Menschen zutage tritt, die nicht Theorie, bis zu einem gewissen Grade auch nicht Bewußtsein, sondern ganz und gar Tat ist, Tat, welche die düstere Standkraft des Kämpfers mit der lichten Hoffnungskraft: des Pflanzers auf gewisse Weise verbindet.; So ist denn gerade dieses Buch Zeugnis einer neuen Art Judentum, die 20*

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