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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 274

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 274 (sequence 36)
Language
German
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274 Ernst Müller: Gunter: Bodenreform und Sozialismus. Sozialistische Monatshefte 1902, S. 93, IL Absatz. Erez Israel, Heft I und II, besonders über Erbbau und Erbpacht. Böhm: Der jüdische Nationalfonds. <Nationalfondsbibliothek.> Albert Baer. Aus zwei jüdischen Welten. Ungewollt ergab sich mir diese Gegenüberstellung, als ich die beiden jüngsten Publikationen des »Jüdischen Verlages« nebeneinander las. Zwei jüdische Welten, auseinanderklaffend wie gestern und morgen und unseren westlichen Verhältnissen gegenüber beide noch fremdartig, wenn auch in ganz verschiedenem Sinne. Eine rührsame Erzählung aus der Tiefe des dumpf in sich geschlossenen, aber in einer tiefen Glaubensmacht geadelten Volkslebens ~* und ein wahrer Bericht von durch Blutopfer besiegeltem neuem Pionierleben in Palästina. S. I. Agnon, der Verfasser der Erzählung, schildert mit Vorliebe das von der Blutwärme des Chassidismus durchpulste Leben einer älteren Generation Galiziens. Und er scheint dieses so zu lieben, daß er es in dessen eigenem Stile schildern kann, einem Stile, der an alte fromme Bücher und Worte erbaulich^einfältiger Volkspredigen sich anlehnt. Es ist eine in der modernen hebräischen Literatur durchaus eigene Note und ein selbständiger Stil, der sich zum Beispiel von dem eines Perez dadurch unterscheidet, daß hier der reflektierende Dichter immer irgendwie, über den Ereignissen stehend, sich sichtbar macht, die Erzählung Agnons hingegen ganz in ihrem eigenen Bannkreise bleibt. Es ist die Geschichte eines kleinen Händlers, der durch die Anhäufung kleiner Verschuldungen allmählich zum Bettler wird, als solcher sein Weib verläßt und in die Welt hinauszieht. Schließlich läßt er sich, in seinem Leben voll Demütigung und sehnsüchtiger Entbehrung, dazu verleiten, seinen eigenen Empfehlungsbrief einem anderen Bettler zu verkaufen. Dieser Umstand führt durch einige seltsame Begebenheiten dazu, daß er nach dem Tode seines Doppelgängers in seinem Heimatstädtchen für tot erkannt und sein verlassenes Weib wieder verheiratet wird. Nach Jahren der Erniedrigung kehrt Menascheh Chajim endlich heim, um die tiefste Erschütterung zu erfahren. Und da wächst mit einem Male die zerbrochene Bettlergestalt zu tragischer, fast überirdischer Höhe. Vom hohepriesterlichen Stamme, durfte er mit seinem früheren Eheweib auch im Fälle ihrer Ehescheidung nicht mehr zusammenleben, ja er bringt es auch nicht über sich, die Täuschung ihres Lebens zu zer* stören, zumal ihre neue Ehe nicht wie die frühere unfruchtbar geblieben ist und die Aufdeckung der Wahrheit im Sinne einer starren Tradition nur zu ihrer Beschämung ausschlagen würde. Und so ergibt er sich in sein seltsames Schicksal, hält sich, damit die Täuschung nicht aufgedeckt werde, von allen Menschen ferne und verbringt den Lebensrest auf Friedhöfen, wo er zuletzt seinen eigenen Grabstein noch finden muß, den die erinnerungstreue Gattin ihm errichtet hat. — — — — — — — — — — — —

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