Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 271 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bedeutung der Bodenreform für das neue Palästina. 271 oft geht der reidigewordene Verkäufer dem Lande verloren. Audi das haben wir leider schon in Palästina beobachtet. Wir brauchen aber Stetigkeit in der Kolonisation, ein bodenständiges Element. Das bedarf keiner näheren Darlegung. Die steigende Rente drückt den Lohn,- das zeigt sich am meisten bei dem für die Industrie verwandten Boden. Der Unternehmer muß den höheren Mietpreis zahlen,- der Bodeneigentümer ist stärker als er. Meist wälzt er die Differenz auf den ab, der noch schwächer ist als er selbst, auf den Arbeiter. Mag selbst der Lohn in einem Gewerbe steigen, stets findet ein Ausgleich statt, mag selbst die Lohnhöhe steigen, die Bodenrente steigt verhältnismäßig stärker,- das ist überall beobachtet und wird durcfi die Tatsache bewiesen, daß immer mehr Frauen aus Not in die Fabrik müssen, weil der Lohn des Mannes nicht ausreicht. In dieser Wirkung der privaten Bodenrente liegt auch einer der Haupt* gründe für die Forderung nach Nationalisierung des Bodens. Der stete Druck der Rente auf den Lohn ist die Ursache — gewiß aber eine von den Ursachen — daß noch nirgends von den Fortschritten der Produktion die Armut beseitigt wurde,- es kann sogar als feststehend gelten, daß die Masse des Elends absolut genommen gewachsen ist. <Willbrandt,- Marx S. 115.) Damit hängt aufs engste alles das zusammen, was unter dem Begriff »Wohnungsfrage« verstanden wird. Die steigende Rente verteuert die Wohnung und da das Wohnungsbedürfnis wie Nahrung und Kleidung als ursprünglichstes Bedürfnis des Menschen befriedigt werden muß, so tritt entweder ein noch größerer Abzug vom Einkommen oder die Einschränkung auf eine kleinere Wohnung ein. In den meisten Ländern sind heute die WohnungsVerhältnisse unsagbar traurig,- das bedeutet: Krankheit und sittliche Verderbnis! Ohne gesunde Wohnung sind alle hygie^ nischen Maßnahmen und jede sittliche Erziehung fast vergeblich. So können wir das neue Palästina nicht aufbauen. Nun könnte man fragen: Wenn die Rente, wie dargelegt, auch beim Gemeineigentum steigt, sind die Wirkungen dann dieselben, wie die hier geschilderten? Gewiß wird mit dem steigenden Bodenwert auch der Zins für die Benützung steigen, aber die Gemeinschaft beutet nicht rücksichtslos aus, wie der Einzelne. Sie steigert angemessen, nach dem besonderen Wert und Ertrag, immer nur so, wie es das Gemeinschaftsinteresse ver^ langt, und vor allem: der gesteigerte Pachtzins kommt der Gesamtheit zugute,- diese wird reicher und dadurch wird wieder der Einzelne entlastet <z. B. durcfi unentgeltlichen Schulunterricht,- man denke an den Plan, von den Erträgnissen der Ölbaumspende kulturelle Anstalten zu unterhalten). Dies gilt besonders für das, was über Wirkung der Rente auf Wohn- und Wohnungsfrage gesagt ist. Zu dieser kann noch hinzugefügt werden, daß die Gemeinschaft, wenn es im Interesse der Gemeinschaft nötig ist, den Boden zu billigem Preis oder umsonst hergeben kann. <Der National^ fonds gab den Boden für das Technikum, für Arbeiterhäuser, für den Bazalel usw.) Die Gemeinschaft wird auch, was damit zusammenhangt, stets genug Boden für die Schaffung von Bepflanzungen, Kinderspiel^