Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 265 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ergebnisse. 265 Die zweite Beantwortung der Frage besteht im metaphysischen Begreifen der Welt durch den Jugendlichen. Wobei auch hier die Metaphysik nichts mit Rationalismus <wo die Welt in der Denkarbeit erschöpft wird, also: Gedachtes ohne Leben) zu tun hat, vielmehr wird dem Ge~ dachten das Leben gegenübergestellt und gedacht wird eigentlich nur um der Umformung des Lebens willen. Der Wille, also Gedachtes sofort in lebendige Bewegung umzusetzen, ist einzig und allein der Grund, die Welt metaphysisch begreifen zu wollen. Begriffen wird die Welt vom Jugendlichen ebenso wie er sich selbst begreift. Er sieht in sich die Möglichkeit Böses und Gutes zu tun und zugleich erfühlt er die moralische Verpflichtung für das Gute. Dasselbe sieht er in der Welt. Und es wird ihm zur Befreiung, nicht zur Bürde, durch seine Entscheidung für das Gute, auch die Welt ebenso, wie sich zu einen. Daraus ergibt sich auch sein Verhältnis zur Gesellschaft. In^ wiefern sie mit ihm geht, bejaht er sie und tut mit. Inwiefern nicht, sieht er in ihr das statische, träge Moment, stellt sich als das Bewegende in Gegensatz zu ihr und bekämpft sie mit seiner ganzen Schärfe. Diese Weltanschauung ist für die Jugendlichen eine religiöse, wie überhaupt Religiosität für ihn alldort vorhanden ist, wo Ganzheit sich einstellt. Gejüdischt wird dieses Wollen durch die Einsicht in das Judentum. Im Judentum sieht und erkennt der Jugendliche seinen Ursprung und seine Zukunft. In Palästina, nur dort, sieht er die Möglichkeit sein Gewolltes in Tat umzusetzen, es Leben werden zu lassen. In dieser Unbedingtheit unterscheidet er sich von seinen deutschen Freunden. Während die letzteren aus Erkenntnis der jugendlichen Wesenheit Rechte für sich verlangen, ohne dabei die Verpflichtung zu einem gänzlichen Niederreißen der jetzigen Ordnung gelten zu lassen, will der .üdische Jugendliche vollständigen Neubau, ohne auch nur in eine Be^ 'ahung des Bestehenden, Erworbenen und Geltenden einzugehen. Jede noch so geheiligte Bedingung durch Vorhandenes ist ihm fremd und für ihn nicht vorhanden. 3. Jugend und Volk. Auch hier wird nur eine bestimmte Beziehung zwischen Jugend und Volk herausgehoben, wobei die Existenz des oben gedachten Jugendlichen vorausgesetzt wird. Die Betrachtung des Verhältnisses der deutschen Jugend zu ihrem Volke wird die Besonderheit unserer Sache klarer ausprägen. Zunächst die allgemeine Feststellung: Die Jugend ist ihrem Volke von vornherein verpflichtet. Sie hat als Bewegendes und Bewegtes den Aufstieg des Volkes durch ihr Leben zu vollziehen. Im Gegensatz zum Bürger, der bestenfalls vorwärts geht, will sie aufwärts reichen. Ihr Wollen muß immer auf Schöpfung, Neuformung gehen. Wie drückt sich nun diese Grundstimmung im Verhältnis zwischen deutscher Jugend und Volk aus? Die Frage wird beantwortet durch den Verlauf der deutschen Jugend^ bewegung. Sie hatte trotz allem keinen einzigen schöpferischen Menschen,- deshalb verging sie. Denn das ist das Zeichen des schöpferischen Menschen :