Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 263 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Heinridi S ü ß k i n d: Ergebnisse. 263 Ergebnisse. Für Heinridi Margulies. 1. Dem Betrachtenden, dem Außenstehenden ist es sehr schwer, etwas von der Jugend, von ihrem Sein, von ihrem Wollen zu erfassen. Die Jugend schweigt und die für sie reden, reden nur sehr selten aus ihr. Daher die Fülle der Mißverständnisse, daher die Ahnungslosigkeit des wahren Bestandes der Jugend und daher die verantwortungslose Anmaßung der Alten, mitzusprechen, und der Glaube, aus wahrer Erkenntnis der Jugend Problematisches bloßzulegen und zu lösen. Hiezu kommt die besondere Struktur der jüdisdien Jugend, ihr ganz wesentlicher Unterschied von der Jugend anderer Völker. Dem außenstehenden Betrachter ist es viel leichter, in ein Verständnis der deutschen Jugendbewegung, als in eines der jüdischen zu kommen. Dort hebt sich die Bewegung als eine in die Höhe strebende Linie von einem sieht- und feststellbaren Komplex deutschen Volkstums ab. Dieses Volkstum ist allein dagegen sprechenden Schein zum Trotz etwas Lebendiges. Der gotische Dom, diese in einen Punkt so ungestillt einlaufende Bewegtheit, muß im wollenden jungen Menschen sogleich das grundlegende jugendliche Gefühl auslösen: das der Sehnsucht und das der Spannung. Aus diesen beiden Grundstimmungen formt sich sein Zukunftsbild. Versenkung in von Deutschen geschaffene Werke färben es und weisen den Weg. Wobei jedenfalls einzusehen ist, daß die im Namen dieser Jugend Sprechenden von der letzten Konsequenz abgehen, eine Biegung machen, um in der Bejahung von Gegebenheiten und Geltendem münden zu können. Diese Menschen <Wyneken, Blüher*) begehen diese Biegung, weil ihre Führung nicht einer alles bedrohenden Gefahr entspringt, wo es um den Einsatz des ganzen Menschen geht,- ihre Führung entspringt der Einsicht, daß es schlecht ist und daß es besser werden muß. Schon dieses Entgegenstellen der Begriffe zeugt davon, daß es nicht um eine wurzelhafte Erfassung des jungen Menschen geht, sondern um zartes Anfassen und Aufklären. Der hiefür maßgebende Grund liegt in der Tatsache, daß deutsches Volkstum lebt, vorhanden ist und dieses Vorhandensein eben erzeugt im Menschen eine Fläche, die Sturmwogen nicht verträgt und nur im Rahmen der Gegebenheiten ordnend ein^ greifen will. Diese Grundstimmung karikiert zwar oft ihre Bestrebungen, die daraus sichtbare Halbheit stößt zwar ab, die jungen Menschen nehmen sie aber hin, weil sie sich jedenfalls von der allgemein vorhandenen abhebt. Daher für den Außenstehenden die Möglichkeit, den Sinn der deutschen Jugendbewegung zu erfassen. Denn sie verlangt vom Intellekt des Betrachters nur Einsicht, keine Schöpfung. Und erleichternd tritt hiezu: Dieselbe all^ gemein vorhandene Gerichtetheit. *> Über sie ausführlich ein andermal.