Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 261 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Deutsche und jüdische Jugendbewegung. 261 überhaupt ein »Gegenüber« gäbe!) —* eine Beeinträchtigung erfahren. Eine Vernachlässigung des Nationalen ist im jüdischen Wandervogel gleichbedeutend mit einem Überwuchern der oben angedeuteten Ideen Wynekens vom Selbstzweck der Jugend. Aber wenn anders der Blau^ Weiß überhaupt ein jüdischer Wandervogel ist, und das heißt ja: wenn die auserlesenste westjüdische Schuljugend für das National* judentum nicht verloren sein will —so wird man sich dort immer mehr in die zionistische Gedankenwelt vertiefen und auf diesem Wege zur Überzeugung gelangen, daß es möglich ist, jenen unsozialen, ana* tional gerichteten Isolierungsgedanken der freideutschen Jugendbewegung auszustoßen. Denn diese vorhin als Surrogat gekennzeichnete Selbst^ zwedridee bildete in der Ideologie des jüdischen Wandervogels einen durch überflüssige Assimilation an deutsche Zustände in sie verpflanzten Fremdkörper, was in der deutschen ]ugend <leider> nötig wurde, die Isolierung, die Schaffung einer wesensgemäßen Lebensform, das darf und braucht gottlob in der jüdischen Jugend nicht angestrebt zu werden. Hier erwächst mit Notwendigkeit die Frage nach der größtmög^ liehen Klärung des Begriffs einer jüdischen Lebensform überhaupt. —- Die Lebensform der alten westjüdischen Generation ist deutsch, nicht jüdisch. {Hierbei könnte besser die »deutsche« Lebensform allgemein als europäische, abendländisch^kapitalistische Lebensform bezeichnet werden.) Eine spezifisch jüdische Form, zum Leben Stellung zu nehmen, an der im letzten Jahrzehnt einzig in Palästina gebaut werden konnte, muß notgedrungen mit jüdischer Kultur in engen Beziehungen stehen und darf naturgemäß, wenn anders Zionismus nicht nur ein sozialökonomisches Experiment sein soll, nicht auf dem kapitalistischen Wirtschaftssystem des Okzidents beruhen. Eine <national)jüdische Lebensform, wie sie in Palästina erbaut wird und in der Diaspora nach Möglichkeit erbaut werden soll, muß geistig sein, d. h. muß politische Stellung und Berufs^ wähl jedes ihrer Träger nicht von vereinsmeiernden Rücksichten und von nur wirtschaftlichen Bedenken, sondern von der großen nationalen Idee abhängig machen können. Diese Lebensform in Deutschland wenigstens vorzubereiten, ein solches eigentlich nationales Werk zu tun, das ist die Aufgabe der zionistischen Jugend, die sich vornehmlich im Blau^ Weiß zusammengefunden hat. Daß dieselbe Jugend zu dieser ihrer Aufgabe fähig ist, geht aus der Entwicklung der zionistischen Jugendbewegung in Deutschland und auch teilweise in Oesterreich hervor. Dies aber ist — psychologisch — die aufsteigende Linie jener Entwicklung! Auch die jüdischen Jungen durchlebten, da der Zionismus über sie kam, einen Konflikt mit den Vätern. Dieser Kampf zwischen liberaler Assimilation und gleichsam konser^ vativer »Autoemanzipation« ist nur scheinbar dem in Anfang durch die Grenzwerte: Idealismus und Materialismus gekennzeichneten Konflikt der jungen und alten deutschen Generation homogen. Denn man kann jene durch das Schlagwort »Assimilation« oft nur allzu leicht herabgesetzte kosmopolitsche Missionstheorie, die in H. Cohen ihren bedeutendsten Verfechter gefunden hatte, nicht ohne weiteres mit dem