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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 260

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 260 (sequence 22)
Language
German
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260 Alfred Kupferberg: als von einem typisch jüdischen sprach; daß nämlich Eltern, die ihre Kinder »mehr« werden ließen, als sie selbst sind, später von diesen ihren Kindern infolge des Unterschiedes des Bildungniveaus durch eine tiefe Kluft getrennt sind. Besonders ist es auch die Stellung im wirt^ schaftlichen Getriebe der Gesellschaft, die den Anschauungen des Vaters jene zwecksetzende Tonung verleihen muß, gegen welche der Sohn — procuel negotiis —- protestiert. Und die Geburt der modernen deutschen Jugendbewegung also wird durch die in jenem »Protest« zum Ausdruck gebrachte Reaktion der Jungen auf die kapitalistische Lebensform und Anschauungsweise der Alten gekennzeichnet. Auf der Grundlage dieses wesentlich negativen Inhalts, der eine umfassende Formung literarisch erst recht spät <in Hasenclevers »Sohn«) erhielt, erhob sich nun der. -~ positive —' Ideenbau der Jugendbewegung in folgender Weise: Einerseits waren die Führer gezwungen, um für ihre Bewegung eine — geistige <— Idee, eine Eideia im Sinne Piatos, proklamieren zu können, jede nur vor^ übergehende, vorbereitende Bedeutung der Jugend für die Ausbildung der Persönlichkeit des Menschen zu vermeiden und das Jugendalter seinen Inhalten nach absolut zu werten. Aus dieser prinzipiellen conditio sine qua non und neben ihr entstand andererseits, halb aus taktischen Gründen, die Forderung, diese »Inhalte« überhaupt zu gestalten, d. h. eine daseinsfähige Lebensform zu schaffen, in der die neue Generation unabhängig vom Kapitalismus und Materialismus in ihrem Leben »den Geist verwirklichen« könne. Zwei logische Möglichkeiten für die Schaffung einer solchen — geistigen — Lebensform boten sich. Zuerst versuchte man, in schöpferischem Impetus ein wahrhaft ideelles Moment in den Weltanschauungskomplex der Erwachsenen hineinzutragen. Aber es gelang nicht, die festgefügte europäische Kultur, die »bewährte« Daseins^ form der Väter mit eigenen Werten zu befruchten, oder, um mit Ausdrücken Bernfelds zu sprechen, »im Meer der Zwecksetzerei«, »eine Insel der Werte«* zu errichten. Dieser Ansturm einer leidenschaftlichen und unklaren Jugend mußte zerschellen. So ergriff man denn die zweite Möglichkeit: da man die Atmosphäre der »andern« nicht mit Geist zu durchtränken vermochte, isolierte man sich und schuf sich eine eigene Atmosphäre <Wyneken>. Da man die Welt nicht aus den Angeln heben konnte, schuf man sich eine eigene Welt. Die Idee von Selbstzweck^ und -wert der Jugend, die so entsteht, ist nicht ursprünglich, sondern abgeleitet,- der »Abschluß« der Jugend von allem Andersartigen ist als Surrogat vielleicht sogar neurotisch als »mißglückte Ersatzbildung« —> für den verfehlten »Anschluß«-versuch derselben Jugend anzusehen. II. Wenn man von dem eben gewonnenen Standpunkt aus die national^ jüdische Jugendbewegung in Deutschland, wie sie sich heute fraglos am augenscheinlichsten im Blau-Weiß kristallisiert, betrachtet, so ist kein Grund zur Behauptung vorhanden, die nationale Idee werde dort dem allerdings stark betonten »Menschlichen« gegenüber — <als ob es da * »Der Jude«, Jahrgang I, S. 179.

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