Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 259 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Alfred Kupferberg: Deutsche und jüdische Jugendbewegung. 259 werden könne, daß diese Leute »zionistisch« werden, so wäre ihm zu antworten: »Das ist, vom Standpunkt dieses Kreises betrachtet, gleich^ gültig. In ihm erweist sich der stärkste Gedanke als siegreich,- diesen stärksten Gedanken zu finden, ist seine Aufgabe. Wer aber so fragen kann, beweist, daß er kein Zionist ist: sonst wäre ihm ein solcher Zweifel nicht möglichv Während diese Zeilen geschrieben werden, erwartet die zionistische Jugend ihren »Jugendtag«. Möge sie sich dessen bewußt sein, daß er nur eine Etappe ist auf dem Wege zum Ziel. Das Ziel ist die jüdische Jugendbewegung, die die gesamte jüdische Jugend umfaßt. Die zionistische Jugendbewegung hat nur dann Berechtigung, wenn sie ständig auf dem Wege zu diesem Ziel marschiert. Cheskel Zwi Klötzel. Deutsche und jüdische Jugendbewegung. I. •Man hat in der Entwicklung der deutschen Jugendbewegung, deren entsprechendster Ausdruds am Ende des vergangenen Jahrhunderts der Wandervogel wurde, ein negatives, gleichsam vorbauendes Moment —- der Reaktion —* und, auf diesem aufbauend, ein positives Moment der gedanklichen Verinnerlichung der theoretischen Fundamentierung — der Aktion — zu unterscheiden. Die Jugendbewegung setzte in dem Augenblicke ein, in dem die Opposition der Söhne gegen die Väter sich zur greifbaren Form des offenen Konflikts verdichtete. Und zwar bildete diese Verschärfung des Gegensatzes zwischen den Jungen und der alten Generationen die Folgeerscheinung der individualisierenden Richtung des liberalen Zeitgeistes, wie er vor bald hundert Jahren zur Zeit der Aufklärungsepoche geboren wurde und sich bis in unser »Jahrhundert des Kindes« hinzieht, einerseits, und anderseits ist sie dem Einfluß der Nietzscheschen Philosophie zuzuschreiben. Beide Wurzeln für jene Kristallisation des »Kampfes der Generationen« sind durchaus von verstandesmäßiger, gleichsam kultureller Beschaffenheit ,- und damit ist der Einwand wider^ legt, dieser »Kampf« habe immer bestanden und sei in unserer Zeit nur künstlich emporgezüchtet und überbetont. Ein solcher Konflikt vergangener Jahrhunderte, wenn er überhaupt ins Bewußtsein seiner Träger trat, war nur unter der Form des den heutigen Psychiatern bekannten »Ödipuskomplexes« als neurotischer Zwangszustand möglich, konnte nur als Begleiterscheinung der jeden vermeintlichen Nebenbuhler bekämpfenden Liebe des Sohnes zur Mutter zum Ausdruck gelangen. Heute aber, im Zeitalter des ausgebildetsten kapitalistischen Wirtschaftssystems, sind es feistige Differenzen, Gegensätze zweier durch die polaren Begriffe Materialismus und Idealismus zu klassifizierenden Weltanschauungen, die den Vater vom Sohn trennen. Nicht nur tritt auch in christlichen Familien der Fall ein, von dem O. Epstein im Märzheft des »Juden« 19*