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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 257

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 257 (sequence 19)
Language
German
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Zionistische oder jüdische Jugendbewegung? 257 solange man sich der Verpflichtung dem zionistischen Gedanken gegenüber bewußt war und solange man darauf bestand, als »Jugendbewegung« zu gelten! Wir saßen als »Partei« unter »Parteien« und ließen uns gleich jenen von »Parteiführern« vertreten. Löwensteins Rede hat wenigstens dem Zionismus die Ehre gegeben, die ihm gebührt; der Jugend ist er auf seine Art nicht weniger schuldig geblieben als die Referentin. Nun will es mir aber scheinen, als verfalle man nach der Berliner Tagung in einen noch viel schlimmeren Fehler. Schon vorher gab es bei uns bestimmte Kreise, die jeder »Verständigung« abhold waren und die ihren Weizen blühen sehen, seitdem in Berlin der »Trümmerhaufen« festgestellt wurden. »Gott sei dank«, so rufen diese Leute aus, »jetzt ist Schluß mit allem. Jetzt wissen wir, daß von der Jugend außerhalb unsres Kreises nichts zu hoffen ist und geben sie auf. Sie mögen sich ihr Leben so einrichten, wie sie wollen und können: für uns sind sie erledigt. Und —' so fügen manche hinzu —' der Starke ist am mächtigsten allein«. Niemand, der die Verhältnisse kennt, wird es leugnen können, daß diese Anschauung besonders in den Kreisen verbreitet ist, die dank der geschieht^ liehen Entwicklung einen sehr starken Einfluß auf die Bewegung haben. Umso mehr Pflicht ist es für den, der in diesen Anschauungen einen gefährlichen Irrtum zu erkennen vermeint, mit aller Kraft ihnen entgegenzuwirken. Der gekennzeichnete Standpunkt widerspricht nach meinem Empfinden dem Begriff der jüdischen Jugendbewegung in jedem seiner Elemente,- er ist weder jüdisch in unserm Sinne, noch jugendlich. Wir haben kein Recht dazu, die Jugend, die noch nicht zu uns gehört, »aufzugeben«! Ohne diese Jugend sind wir n i e das, was wir sein wollen, lind seien wir uns doch darüber klar; unser ganzes »Judentum« ist verflucht wenig wert, wenn wir die unselige Trennung zwischen uns und den jüdischen jungen Menschen derselben Generation als »gegeben« hinnehmen wollten, wenn wir uns nicht mit aller Energie dagegen wehrten, daß dieser Zustand als »normal« oder gar »naturgemäß« anerkannt wird. Sollte es wirklich soweit kommen, daß man die Existenz jener andern als etwas Gleichgültiges, uns nicht mehr Berührendes betrachtete, so wäre diese Tatsache so unendlich traurig, so ohne jeden Vergleich trostlos, daß sich vom Grunde solcher Finsternis die Berliner Farce als eine Art Kiddusch-Haschem abheben würde. Denn die Jugend, die wirkliche Jugend auf allen Seiten, hat auf Berlin gehofft! Man hat sich in den Mitteln völlig vergriffen, aber man hat sich wenigstens nicht am jüdischen Gedanken versündigt! Und wenn man bei uns »Gott sei dank!« sagte, als das traurige Spiel dort aus war, da durfte man es nur dann: wenn man es sprach mit dem Willen, diesem jüdischen Einheitsflanken auf würdigerem und gangbarerem Wege sein Recht zu schaffen, ers anders meinte, der hat gefrevelt! Berger sagt von der Jugendbewegung: »Das versteht sie nicht, wenn ein Junger zum andern sagt: Du gehörst nicht zu uns!« Und der jüdischen Jugendbewegung sollte es möglich sein, einem großen Teil der jüdischen Jugend »uninteressiert« .gegenüberzustehen? Die zionistische Jugend sollte sich in engen Schranken halten und ihre natürliche expänsive 19

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