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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 255

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 255 (sequence 17)
Language
German
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Zur Problemlage der national-jüdischen Jugendbewegung. 255 Renaissancegedanke. Die nationale Bewegung scheint damit trotz ihrer besten Absichten selbst zum Assimilationsprodukt herabgedrückt zu sein. Das stimmt, wenn man nur die rein historisch^genetisdien Zusammen-* hänge beachten will. Der Zentralpunkt der ganzen Angelegenheit jedoch liegt ganz wo anders. Er liegt darin, daß der nationalen Bewegung diese ihre Herkunft aus Europa selber zum Problem wird. Hier nähern wir uns wieder dem Gedanken der Selbstbesinnung, von dem wir ausgingen. Der konsequent zu Ende gedachte Liberalismus des neunzehnten Jahr^ hunderts führt auch theoretisch, nicht nur historisch, zum nationalen Gedanken. Die Erkenntnis, die sich zunächst auf die fernsten Dinge zu erstrecken scheint, kehrt am Ende zu sich selbst zurück. So kommt die jüdische Jugend in ihrem Streben nach Klarheit über sich selber notwendigerweise zu dem einen Gipfelpunkt der Herzischen Schöpfung. Aber wie bei Herzl selber, so trifft sidi auch in ihrem Aut gabenkreis mit dieser einen Gedankenreihe eine zweite. Der nationale Gedanke, extrem zu Ende gedacht, wird als das einzige Mittel erkannt, die Judenfrage, das Galuthproblem zu lösen. Wenn man die Erziehungsaufgabe des Zionismus in einem knappen Satz zusammenfassen wollte, so müßte man sagen: das Judentum der Nuance ist überzuführen in das Judentum der Funktion. Denn mag auch noch lange Unklarheit bleiben, wie wir begrifflich zu fassen haben, was wir unter jüdisch verstehen,- soviel läßt sich schon heute sagen, daß in der Galuthepoche das Spezifisch^Jüdische nur eine leichte Nuance, eine geringe Tonverschiebung an einem sonst eigengesetzlichen geistigen Komplex bedeutet. Dieses Spezifikum nun in den Mittelpunkt zu rücken, das bedeutet nun wieder, von einer anderen Seite gesehen, jene Aufgabe der Selbstbesinnung, die wir als die Grundlage der national-jüdischen Jugendarbeit ansahen. Diese der ganzen nationakjüdischen Jugendbewegung geltenden Darlegungen seien an zwei Beispielen etwas näher ausgeführt. Zunächst der Blauweiß. Es ist seine kritische Frage, ob seine Er^ Ziehungsmittel revolutionär genug sind, um die jüdische Jugend aufzurütteln, sie zum Nachdenken über sich selbst zu bringen. Es gilt dieser- Jugend alles Gegebene zweifelhaft, alles Überlieferte fraglich zu machen, ihr Unterscheidungsvermögen aufs feinste auszubilden, ihre Intelligenz zu schärfen, denn nur so ist es möglich, die Distanz zu den Mächten der Umwelt zu gewinnen. Zum Schluß seien dem K. J. V. einige Bemerkungen gewidmet. Das K. J. V. ist im gewissen Sinne die Krönung der nationatjüdischen Jugendorganisationen. Das bedeutet keine Herabsetzung der übrigen. Ihre Arbeit ist nicht im mindesten weniger wichtig und wertvoll. Es gilt überhaupt nur den Stellenwert, nicht die Wertstelle des K. J. V. unter den anderen Jugendorganisationen zu fixieren. Ist dies aber erkannt, so kann ohne die Furcht vor einem Mißverständnis festgestellt werden, "daß im K. J. V. und nur dort sich jener Prozeß der Selbstbesinnung noch einmal wiederholt. Es wird dem akademischen Teil der national-jüdischen Jugend^ bewegung zufallen müssen, diese selbst immer wieder nach ihren Grund-

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