Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 253 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von der Schande eurer Namen. 253 gemacht worden sind — das ist das Große an den kleinen Dingen. Audi ist die Bagatelle bisweilen schwerer auszuführen, als das grundsätzlich Große/ weil letzteres, das Ideal, als Vorsatz meist mehr oder weniger fern abliegt, das Kleine dagegen das Rhodus ist, worauf gleich gesprungen werden muß. Entscheidet euch! —- Heute! Abraham Schwadron. Nachschrift. Dieser Aufsatz ist vor einem halben Jahre geschrieben worden. Als er jetzt veröffentlicht werden sollte, da fragte ich mich, ob es sich ziemt, in dieser Zeit so schicksalsschwerer inner- und außerjüdischer Vorgänge, so hochpolitischer Entscheidungen, für diese äußerlich so bescheidene Sache Interesse zu suchen. Und ich sagte mir, daß — abgesehen von der inneren Wichtigkeit, die von den Zeitumständen nicht abhängt —- vielleicht gerade jetzt, wo soviele Juden gemischtsprachiger Gebiete in verschiedenen Ländern ihr nationales Bekenntnis entweder nach einer Seite der Kämpfenden hin oder zur eigenen Nation werden ablegen müssen, es für viele sogar von werktäglicher, praktischer Wichtigkeit werden kann, nicht durch die Vornamen unwillentlich nach einer oeite gerichtet zu sein. Kurt und Erich z. B. in jetzt tschechisch, Mieczyslaw und Kazimierz in ukrainisch ge^ wordenen Gebieten sind keine Belanglosigkeit. Der Wirbel, den neulich der angebliche Tschechisierungsversuch deutscher Namen seitens 5000 Juden verursacht hat, ist charakteristisch. <Auch da ist der Vorname mehr Indikator als der Familienname.) In den weiteren Aufsätzen wird darüber Ausführliches zu bringen sein. Hier sei nur noch in größter Skizzenhaftigkeit auf manche Beziehungen praktisch - politischer Wichtigkeit der Vornamen hingewiesen: Die jüdischen Vornamen waren in früheren Jahrhunderten in vielen Hinsichten ein Gegenstand der behördlichen Behandlung. Die russischzaristische Regierung verbot den Juden das Abändern ihrer Vornamen. Das selige österreichische Handelsministerium hat vor einigen Monaten an die Handels* und Gewerbevereine die Rundfrage gerichtet, ob es wünschenswert wäre, die gesetzliche Verpflichtung einzuführen, daß jeder Kaufmann und Gewerbetreibende auf Schildern und Stampiglien seinen vollen matrikelmäßigen Vornamen führe. Der »Hamicpe«, der diese Nach^ rieht brachte, führte das Regewerden dieser Frage auf die Bemühungen der Christlichsozialen zurück, den aus dem Osten stammenden Juden den Betrieb von Geschäften in Westösterreich zu erschweren. Und schließlich, während dies gedruckt wurde, brachen über unser Volk in Polen-Galizien, in der Slovakei, in vielen Komitaten Ungarns usw. die furchtbaren Pogrome herein. Ich empfinde es nicht als Phrase, wenn ich sage: Wer jetzt noch den gleichen Vornamen, wie die, die ihn oder seine Brüder und Schwestern so bestialisch mißhandelt haben, weiter tragen kann, der hat oder hätte diese Mißhandlung verdient.