Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 251 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von der Schande eurer Namen. 251 Abneigung und Widerwillen erst redit hervorrufen. Ich werde zu fragen haben, was bei so vielen, besonders prononzierten jüdischen Familiennamen, z. B. Löwy, Goldenbaum, Feitelles, Schlesinger u. dergL noch eigentlich durch den jüdischen Vornamen zu »begelbflecken« ist und ob nicht bei manchen Typen, wie Eberhard mit Kraushaar und Krummnase oder einer Kom^ bination wie Senta Desiree Cohn, die Eltern, ihrer Absicht genau entgegengesetzt, den Kindern ein sehr Häßliches, widerlich Disharmonisches, auf den Lebensweg mitgegeben haben. Ich werde weiters darzutun haben, daß, insoferne wir rein arische Namen uns aneignen, wir einen Namenstypus nach dem andern durch unsern Gebrauch-Mißbrauch in Verruf und Schimpf bringen, so daß ihn, weil jüdisch, die nächste Generation von Jud und Christ wie die Pest meidet <z. B. Moriz, Siegmund, Rosa, Jeanette),- oder wenn wir die Namen nach der bislang bei uns gebräuchlichen Art modifizieren, greuliche Mißgeburten-Dissonanzen herauskommen <Sami, Pincto, Fantschi u. dgL>, die nur durch die Abgestumpftheit unseres mit »wichtigen Dingen«, wichtigen Widerlichkeiten gebeizten Trommelfells, dasselbe nicht buchstäblich ritzen, — — und wie all dem gegenüber eine Unzahl hebräischer Namen von wundervollem Schönklang auf die Erlösung durch uns warten, Namen, aus denen das Blut der Ahnen zu uns spricht, Namen, die ihrem Charakter und ihrer Etymologie nach für uns auch objektiv angemessener sind als die requirierten, die aus einer uns fremden, für uns mit Verachtung und Haß erfüllten Sphäre stammen und Sedimente einer von der unseren grundverschiedenen historischen Schichte sind. Das alles sind, wie ihr seht, lauter vernünftige, wohlgesetzte, gutbürgerliche, geradezu anständige Argumente. Denn ich werde in den späteren Aufsätzen versuchen, mit Hintansetzung aller sonst gewollten Einseitigkeit eben für die Vernünftigen, Praktischen, Wohlgesetzten und »Gemäßigten« eurer Umgebung zu schreiben. Für jene,- denn für uns ist es, wie betont, kein Problem, darf es keines sein. — Wir wollen! Punktum. Für uns wird nur folgendes zu betrachten von Belang sein. Erstens: Es macht unsere Schande aus, daß die Zionisten und Zionistinnen, Väter und Söhne, Mütter und Töchter, bisher hinsichtlich Namen nicht um ein Quentchen von den Assimilanten sich unterschieden habend) Als ein Bekannter vor einigen Jahren zu einem gewissen Zwecke männliche und weibliche Vornamen suchte, die durch ihre Stillosigkeit, Ver^ stiegenheit oder Quatschigkeit extrahäßlich sind, da fand er sie in den Listen der Ballkomiteemitglieder der diversen zionistischen Verbindungen. Weiters ist es wahrscheinlich, daß auch manche wirklich guten, ehrlichen Zionisten Einwendungen vorbringen werden. Etwa: Es wäre gegen die Ganzheit, Unbedingtheit usw. des von uns erstrebten jüdischen Lebens, *> Insoferne sie als östliche oder orientalische Juden traditionell hebräische, jiddische oder spaniolische Namen tragen, gehören sie nicht in unsere Betrachtung. Diese Kategorien von Namen seien einer späteren Behandlung vorbehalten und hier bloß jene Namensgebung in West und Ost betrachtet, bei der nur die israelitische, nicht die jüdische Tradition das Bestimmende ist.