Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 7 (10.1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 250 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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250 Abraham Sdiwadron: Schreibungen, Verzeichnissen eures Namens, wo nicht gesetzlich o. dergl. der unveränderte Matrikelname geschrieben, genannt werden muß <über die eventuelle gesetzliche Änderung von Vornamen und Namen wäre ein andermal zu sprechen) gebe es von jetzt an keinen Fritz und keine Trude, keine Anna, Lili, Jeanette, Rosa, Gaby, Lizzi, Margot, Fantschi, Dora, Mizzi, Bronia, Sal^ia, Mariska, Jadwiga, Nadja, Milena, keinen Rudolf, Willy, Charles, Erich, Sally, Manfred, James, Erhard, Adolf, Moriz, Siegmund, Milio, Bunio, wladyslaw, Bohumil, Fedor, Gyula, Aladar sondern nur Jakob und Rachel, nur Channa, Penina, Timna, Riwka, Batschewa, Tamar, Dina, Ranana, Mirjam, Tirza, Bilha, Esther, Schua, Atalia, Awischag, Naami, Schulamith, Karmela, Scharona, nur Rüben, Elischa, Arnos, Awihud, Jirmjahu, Jehonathan, Aharon, Amasa, Amnon, Elieser, Awschalom, Achituw, Jochanan, Uriel, Awigdor, Blchanan — ihr braucht nur eine Bibel aufzuschlagen und euch daraus die sdiönsten Namensperlen auszuwählen. Was aber werden eure Eltern, Geschwister, Verwandte, Bekannte, Hauslehrer usw. dazu sagen? Für die wird die Sache sicherlich nicht so einfach sein, wie für mich und für euch. Für die wird es da hundert Rücksichten geben: erstens, zweitens, drittens, Haupt- und Nebenrücksichten, solche der Erziehung und solche der Gesellschaft <der jüdischen und der arischen), leichte und schwerwiegende, äußere und innere, ethische und ästhetische, praktische und ideale. Und all diese Rücksichten werden in Einwendungen auslaufen, vielleicht auch in Warnungen, Verwahrungen. Nun für alle diese, die da ein »Problem«, vielleicht ein »ernstes Problem« sehen werden, »eine Sache, die überlegt werden muß«, einen Dunst und ein Dickicht des Fraglichen, zu Erörternden, zu Erwägenden —' für diese werde ich noch einige weitere Aufsätze zu schreiben haben: eben probier matisierende, betrachtende, argumentierende Aufsätze, mit kläglichen »Zwar— aber«, mit »Zumindest«, mit »Allerdings« und wie all die Kompromißsätze beginnen. Da wird die Stichhältigkeit der früher gestreiften Einwände zu untersuchen sein: ob wir nicht die Pflicht haben, die Annahme fremder Namen zu verwerfen, obgleich es die Gepflogenheit einstiger frommer Jahrhunderte war,- wie wir uns ja anderseits die Freiheit nicht nehmen lassen, Anderes, was jene Ahnen gebunden hat, als für uns nicht bindend zu betrachten. Abgesehen davon, daß jene Geschlechter, im tiefen Glauben an die Erlösung durch ein plötzliches Wunder, für derlei eine andere Perspektive als wir haben mußten. <Übrigens rechnet der Talmud unter den drei Tugenden, derentwillen die Juden der Erlösung aus Egypten würdig waren, auch die, daß sie ihren Namen nicht geändert hatten). Da wird zu betrachten sein, ob, welche und in welchem Maße die Namenslarven, die oft geradezu gespenstisch^lachhaften, oft widrig fratzenhaften Maskierungen uns wirklich sdiützen, d. h. welche Menschen unserer Umgebung es sind, die uns darin nicht erkennen, und welche, in deren Achtung wir dadurch sinken müssen. Ich werde zu zeigen versuchen, daß wir durch die Namensvermummung höchstens dem Steinwurf des Gassen^ buben vorbeugen, dagegen des einsichtigen, feinnervigen Ariers Argwohn,