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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 248

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 248 (sequence 10)
Language
German
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248 Abraham Schwadron: ist jedes »gut« nur gut für etwas und ebenso jedes »schlecht« nur schlecht für etwas. Und das ist mir heute und für den Zweck das Allerhöchste —- und morgen ist mir jenes das Allerhöchste für einen andern Zweck. Wozu ich dieses Geständnis meines Mangels vorausschicke? Damit ihr nicht allzusehr darüber lachet, wenn ich <in gewollter Beschränk kung, in der Art des Propagandastils) sage: Den Juden fehlt, um nach äußerer und schematischer Perspektive eine normale Nation zu sein, Land, Sprache und —' Name. Ja, Name als ein für mich heute den anderen nationalen Attributen Gleichwertiges! Ist Land das Fundament, worauf wir unser Leben bauen sollen, die Sprache die Form, in der unser Leben zum Ausdrud* kommen soll — so möge sich im Namen ein Begriff davon spiegeln, was wir werden wollen. Jeder Nation ist eine große Anzahl von bestimmten Namen zu eigen, die deren Träger als zu dieser Nation gehörig stempeln. Diese Namen sind beladen mit der ältesten geschichtlichen und seelischen Tradition dieses Volkes und verknüpft mit den frühesten Wurzeln der nationalen Sprache. Bei uns aber, bei denen viele andere nationale Merkmale fehlen oder unvollständig sind, haben selbstredend die Namen eine noch gewichtigere Funktion. In den eigentümlichen anormalen Verhältnissen, in denen wir unter den anderen Nationen leben, — Mohnkörnchen oft in dem Raum zwischen den Großkörnern der anderen — und besonders in Ansehung der Entselbstung, »Verschwindsucht«, Angleichung und Nachäffung, der wir im letzten Jahrhundert oder, im Osten, in den letzten Jahrzehnten verfallen sind — das alles macht den Namen oft zur Schiboleth, zum Aushängeschild. Ich habe fürs erste den Vornamen im Auge. Dieser ist im Gegensatz zum Familiennamen ein <von den Eltern) freiwillig gewählter, bleibender, d. h. er ändert sich nicht durch Adoption oder, bei der Frau, durch Heirat und erscheint mir immer als ein tief Persönliches, Intimes, Unabtrennliches. Er ist demnach vielfach ein Programm, ein Wegweiser: das Kind, das Kurt oder Mathilde benannt wurde, erhielt damit den Bahnzettel: »Nach Deutschtum!«,- das Mieczyslaw oder Jadwiga geheißen wurde, ward ans Polentum, der kleine Arpad und die kleine Bözsi ans Magyarentum gewiesen. So daß der Name ein Scheidend-Bntscheidendes wurde. Ihr wisset, was ein Feldruf, was eine Parole ist: Ein Zeichen, ein Wort, bei dessen Nennung sich <— kann man sagen — die bekannte Frage Josuas an den unerkannten Engel klärt: »Bist Du unser oder der Feinde einer?« Und ich frage: Habt ihr eurem Namen nach euch nicht schon, wenn auch unwillentlich, für unsere Feinde entschieden? Ist euch, die ihr Ganzjuden, stolze und freie Träger und Erneuerer jüdischer Eigenart und Eigenehre sein wollet, ist euch die Scham über eure Namen noch nie zum Bewußtsein gekommen? Die heutige chaotische Buntfleckigkeit der israelitischen Namen ist das nach innen und außen markanteste, aufdringlichste Kennzeichen israelitischer Unjüdischkeit, israelitischen »Sich-nicht-zu-derkennen^ gebens«, israelitischer Zerklüftung. Ihr aber, die jüdische Jugend, welche sich als Rebell geg&n die Misere antijüdischer Israelitik bekennt, wollt ihr

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