Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 239 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Drei Briefe. 239 Früher war unsere Lage leichter. Wir protestierten, lehnten ab. Nun sind wir dahin gekommen, tätig eingreifen zu müssen. Denn Annahme des Bestehenden bedeutet tun desjenigen, was wir früher aus vollem Herzen gedanklich verworfen haben. Passivität aber bedeutet Erliegen. Andererseits fühlen wir die ganze Schwere, des sidi uns Entgegenstellenden. Und dabei unsere Ohnmacht, so es ums Anderswerden geht. Wir sind Erwachsene geworden. Das ist der Konflikt. Wir erkennen ganz Idar: Unsere geistige Bindung läßt Abschwächungen unserer früheren, sagen wir jugendlichen Anschauungen, nidht zu. Es geht nicht an, daß wir unter Berücksichtigung des Bestehenden unsere Än^ Behauung ändern. Wir können zur Dirne nicht herabsinken. Das ist ganz einfach unmöglich. Wir werden eher zugrunde gehen, als uns aufgeben. Nun ist aber auch klar, daß es sehr schwer ist, eine Basis zu finden, auf der man sidi mit der jetzt herrschenden Gesellschaft begegnen kann. Ich glaube sogar, es ist unmöglich. Wir können mit ihr nirgends zusammengehen, weil uns nichts verbindet. So tritt uns das Gefühl des Alleinstehens mit all seinen Grausamkeiten entgegen. Wir sdiauen uns um, suchen nach Rettung, weil wir von einer Meute hütender Hunde umgeben sind — finden aber niemanden. Daher unser Unglücklichsein. Und daher unsere Sehnsucht nach Menschen, die ebenso unglücklich sind wie wir. Denn zusammen, glaube ich, werden ^wir unbedingter, idi sage nicht erfolgreicher, kämpfen. Unser Ziel ist unverrückt: Finden eines Weges für uns, die wir schon tun, uns schon bewähren müssen. Dienen denjenigen, die noch jung sind. Entfachen des ewigen Feuers der Seele. Und die Grundstimmung wird die bleiben, die ich schon lange jjeahnt habe: Verzicht auf jedes persönliche Wohlgefühl. Äbtötung, bewußtes Abtöten alles Persönlichen. Kein Glück! Dieser Falle müssen wir entgehen. Ich drücke Dir innig die Hand. 22. April 1918.