Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 238 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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238 Heinrich Süßkind: IL Ob wohl, ich jetzt einsehe, daß es nicht so leicht wird, wie ich es mir dächte) möchte ich doch versuchen/ Sie aufzuklären. . Ich meine: Das. Judentum, als geistiger Inhalt, wie es durch seine größten Söhne <Moses, Jesaia, Jeschua). geschafiFen wurde, wird in die Wirklichkeit nicht durch bloße nationale Existenz, eigentlich staatliche Unabhängigkeit um* gesetzt, das heißt:T die Aufgabe des Judentums erschöpft sich nicht in seiner staatlichen Unabhängigkeit ~r das Judentum als geistiger Inhalt will erlebt und gelebt werden. . Das bedeutet: .Die . Ideen des Judentums, wie die Idee der Gerechtigkeit, die Idee der Menschenerlösung müssen vom jüdischen Individuum in ihren ganzen Tiefen erlebt und getan werden. Die staatliche Unabhängigkeit wird bloß der Rahmen sein, in dem diese Ideen werden gelebt werden können. Daß dieser Rahmen von den Ideeh des Judentums bestimmt und geformt sein muß, wird demjenigen klar, der diese Ideen des Judentums kennt. Dieser Rahmen wird hiemit sich all desjenigen entäußern müssen, was sich den Ideen des Judentums entgegenstellt, so zunächst des Klassen* Unterschiedes. So denke ich mir die jüdische Gemeinschaft als von Menschen geschaffen,' die Gott in sich, erkannt haben und ihn durch ihr Leben befreien wollen. Dieser Glaube an die Erlösung der Menschheit im tätigen Leben ist ein spezifisch jüdischer. Er findet sich mehr individuell bei Laotse aus* gedrückt, wird dagegen von Buddah ganz verworfen. Glaubt man an die Bestimmung des Judentums <was nur durch Er* kenntnis seiner Ideen geschehen kann), dann erlangt man auch die Kraft alles Äußerliche von sich abzuwerfen, ganz arm zu werden, um Gott zu dienen. Deshalb muß zunächst unsere Aufgabe darauf ausgehen, die jungen jüdischen Menschen das Geistige des Judentums kennen lernen zu lassen. Solange das nicht geschieht, ist auf eine Erneuerung des Judentums nicht zu hoffen. Denn jede an dem vorbeigehende Arbeit führt nicht zum Ziel. Sie behaupten, nur das »Wirkliche« habe für Sie Bedeutung. Wirklich* keit gleicht aber bei Ihnen dem Äußern. Deshalb ist bei Ihnen Philosophie ein Schmarrn, wo es doch klar ist, daß es ohne Philosophie, ohne Denken kein lebenswertes Leben geben kann. 3. Feber 1918. III. Lieber Freund! Wir müssen uns klar werden. Die Zeit, in der uns unsere Sehnsucht nach dem Unbedingten, die Zeit, wo uns der Gesang der Seele genügte, ist vorbei. Wir sind in eine Entwicklung gekommen, wo wir uns mit der Um* weit, mit der Gesellschaft auseinandersetzen müssen. Passivität ist uns unmöglich und erliegen wollen wir nicht.