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Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 237

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 237 (sequence 35)
Language
German
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Heinrich Süßkind: Drei Briefe. 237 schichte gestellt hat, zur Hilfe und zur Tat aufrufen, um ungestört, »an unserer Nabelschnur Nahrung aus der Welt zu saugen«, <J. W, v, Goethe) Wir Zionisten leugnen nicht die Naturtatsache unserer Nationalität, Wir glauben, daß in ihr die Wurzeln unserer Kraft liegen. Und sie wiederzugewinnen, ist der Sinn unserer Bewegung, Doch das bezeichnet alles nur ein Mittel: wozu die Kraft gewinnen? Wozu die Bewegung? Diese Frage vergesse man nicht! Wir dürfen nicht im Jubel über unser neugewonnenes Volkstum vergessen, daß wir auch — in der Sprache des verehrlichen 18. Jahrhunderts zu reden r- Weltbürger sind! Man mag sich dem Aktivisten überlegen glauben, wenn man jedem Zweifel entronnen ist. Aber ihn nicht zu unterstützen, ist pflichtwidrig. Adolf Caspary. Heinrich Süßkind: Drei Briefe. Adresse: Wien, IX., Währingerstraße 22, II. Stiege, Tür 7. I. Ich lese jetzt" Spitteier. Da prägt sich mir ein Gedanke aus, der schon lange in mir war. Er bezieht sich auf Ihr Wollen, Ihre Einstellung, lind darüber will ich Ihnen einige Worte sagen: Ihnen geht es um die Gestaltung Ihrer Sehnsucht. Sie wollen alle Ihre Gefühle Gestalt werden lassen. Sie wollen ein gestaltetes Leben um sich sehen> und es—-beschauen! Aus Ihrer Abneigung gegen diese sich immerfort über- und umstürzende Welt <so sehen Sie sie) wollen Sie sich eine andere schaffen, in der man nicht handelnd einzugreifen braucht. Ihrer Erkenntnis dieser Welt entspringt nicht der Wille nach ihrer Umgestaltung. Nicht um diesen Sinn geht es bei Ihnen. Das würden Sie vielmehr Unsinn nennen. Sie versenken sich in Ihr Inneres. Dort blicken Sie gestaltlose Sehnsucht. Sie sind aber schon befriedigt, wenn Sie den Stephansturm sehen,- dieses Symbol des in Gestalt eingefangenen Gefühls. Und daß es so mit all Ihren Gefühlen geschehe — das wollen Sie. Nun bedenken Sie: Jedes Gefühl, das Gestalt geworden ist und sich darin genügt, beschränkt sich- Denn die Gestalt reizt zum Beschauen. Und jedes Beschauen vernichtet den Tatwillen. So war es bei den Griechen. Als alle ihre Gefühle Gestalt wurden, versagten sie in der Tat und vergingen in ihrer Genügsamkeit. Und daß die Juden noch heute leben, verdanken sie doch zuletzt ihrer Abneigung gegen das Einfangen des Gefühls und Gedankens in Gestalt. Denn nicht um des Beschauens willen gestaltet der Jude. Durch Tat, will er um der Weltumgestaltung tun. Sein Sein ist rastlos, weil es immerfort ein Sollen ist. Keine Ruhe will er, nur ihn immerfort erneuerndes Tun. Um die Tat, nur um diese geht es! 12. Juni 1918.;

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