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Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 236

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 236 (sequence 34)
Language
German
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236 Adolf Caspary: Geist des Judentums und tätiger Geist. sie es nidit sein. Dann ist sie unrichtig und der. sittlidien Forderung zu* wider. Es ist ja auch das wahre Ziel des Zionismus nicht, in Zion eine Oase in der Wüste zu schaffen, sondern »Diener am Licht« zu sein, das allen Menschen leuchtet. Die Menschheit ist das Höchste. Wie uns denn die judische Jugendbewegung Mittel sein soll ~ Mensch zu werden, nach Bubers Antwort an die Jugend. Und Menschheit wird nicht nur am Ende der Tage sein, sondern ist heute schon. Und nicht die einer messianischen Zukunft, sondern die Menschen, die jetzt zu Grunde ge* richtet werden, brauchen uns. Unsere Bewegung kann uns die größte Kraft für unsere Aufgabe verleihen, — sie kann uns ihr aber auch gänzlich entziehen. Eine Gefahr für uns bedeutet die Flut der Aufsätze, die halb historisch* psychologische, halb sentimentale Betrachtungen sind. Denn Betrachtungen sind keine Taten und nicht einmal Aufrufe dazu. Sind unverbindlich und unverantwortlich. Die Zeitschriften sollen unserer Bewegung die Richtung weisen! Die Taten zeigen, die getan werden müssen, wie die fernen auch die näheren. Und das ganze Vereinsleben, das Wandern wie das Turnen und alles andere, birgt die Gefahr in sich, daß man es schon für die Verwirklichung selbst hält, während es doch nur Mittel dazu sein kann. Es-ist tatsächlich der jüdischen Jugend heute die Gelegenheit gegeben, sich in eine private Bewegung zu flüchten und sich so der Pflicht gegen ihre Umwelt zu entziehen. Und meo voto wird diese Gelegenheit auch schon benutzt. Daher sage ich: es ist unverantwortlich, Blau*Weißab* zeichen zu tragen, jüdisch zu turnen und zu wandern, — sich auf seine »Jüdischkeit« zurückzuziehen und zu glauben, damit der Menschheit zu dienen> während die- Unvernunft und der Ungeist die Welt und die Menschen zerstören. Man vergesse niemals, daß die ganze Jugendbewegung nur den Sinn hat, Menschen für ihre Aufgabe zu bilden. Wohin soll denn auch solches Wesen der Jugend, die in ihrer Bewe* gung einen Selbstzweck sieht, führen? Wie kann daraus jemals eine Umgestaltung des realen Lebens, eine Tat entspringen? Das muß ja not* wendig die Menschen dazu bringen, zu den Bürgern überzugehen, wenn die Zeit der »jugendlichen Schwärmerei« vorüber ist! <Ausgenommen sind die, deren Beruf im Leben es ist — zu schreiben.) Das ist wirklich »nichts als bloße Schwärmerei«. Man lese »Das junge Geschlecht« von Heinrich Mann. Aber sage sich dann nicht voller Stolz, »ja so sind wir«, sondern »so sollen wir sein«. Darum will ich warnen. Wir wollen uns nicht in jugendliche Ro* mantik verlieren <— denn die Jugend hat keine andere Welt als die, die durch die Schuld der Alten jetzt vernichtet wird. Wir wollen uns nicht auf das Betrachten und Fühlen unserer Art beschränken, sondern daran denken, daß auch unsere Art verpflichtet ist, der Welt heute zu helfen. Wir sollen in jeder Stunde wissen, daß die Menschheit uns braucht, uns Zwanzigjährige. Darum dürfen wir nicht die Männer bei Seite stehen lassen, die uns hier, an dem Orte, an den uns die Ge*

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