Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 234 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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234 Adolf Cagspary: Volk in seinem Staatsleben unter göttlichem Gesetz gezeigt bat die Ide£ der Gerechtigkeit, feinen .andern Inhalt .der Verwirklichung als: das ZjusammenJeben dex Manschen naxh i$ev Idee *de*r ifecbitigkeitju regeJn/ gibt es schlechterdings nidit. M:untentbält aber der Begriff der Gerechtigkeit ein Gelbot in sich, dem, unabhängig von aller Verwirklidiungsäbsicht jjedes Handeln unterworfen ist: Wenn alsp der Geist verwiiiklidtt werden soll, so [unterwirft sish *diex Geis* dejm Gesetz. Damit ist aber -die IKform für jedes itHun a priori ^gegeben: man ikann jede Politik, gleichgültig, welches das letzte 'Ziel des Handelnden Ist, prüfen, ob sie richtig ist oder Glicht. Die richtige (Politik mag der Geist als Mittel zu meinem Zweck benutzen. Dagegen kann niemals falsche Politik Mittel -zur Verwirklidwng des Geistes sein. Somit »können wir sogar das subjektiv irrationale Wollen und Streben auf seine «objektive Richtigkeit hin prüfen. Das Streben der Aktivisten geht .aber ,-auf nichts andere?, als »den Geist« mittels richtiger Politik :zu verwirklichen, und darum ist ies iein richtiges Wollen, mag «man die persönliche .seelische ^Disposition des Aktivisten für;gut 'haken oder nicht. Darum iist aber auch das Prinzip ihrer Politik — trotz 'Hillers Widerspruch aus dem -kategorischen Jmpenativ Kants ableitbar und auch tatsächlidi abgeleitet. Daraus folgt -schon, daß der Zionismus im eigenen Interesse ^ine solche Politik unterstützen muß, nachdem einmal auch das Leben im Galuth sein Objekt geworden ist. Denn nur in;einem Staate, in «dem der Grundsatz der Gerechtigkeit wahrhaft durchgeführt ist, nämlidi «so, daß man die Gleichheit -der Untertanen nicht mehr -mathematisch quantitativ, sondern dynamisch qualitativ atiffaßt, ist es ^iner besonders «gearteten Gemeinschaft möglich, bei Währung ihrer Art und Sonderheit und doch »gleichberechtigt« <NB. eine Tautologie!) <zu leben. Man denke an das Gemeinschaftsleben des chrisdwhen Mittelalters und als Gegensatz an Haman, einen frühen Vertreter der modernen gleich* machenden Staatstheorie. Mit der Politik also, die dieses Ziel erstrebt, hätte sich der politische Zionist auseinanderzusetzen, resp. zu verbünden. Des politischen Zionisten eigene Politik darf aber keine andere sein, keine ökonomisch'— »reale«,—' also ungeistige. Ob diese Politik Zionismus ist, idas heißt :als Zionismus gewollt wird oder nicht, kann man natürlich nicht »entscheiden. Das ist Ansichtssache. Aber ob sie es sein soll oder nicht/ das ikann man sagen. Solche Politik ist ungeistig, weil sie unrichtig ist. Sie nennt sich vernünftig, ist es aber nur im bürgerlichen .Sinne, der Vernunft mit Opportunität verwechselt. Sie ist eine Politik, die nicht ihr Handeln nach;dem Richtigen lenkt, sondern die Gelegenheit ausspäht, Vorteile zu gewinnen. Sie will nicht der Idee gemäß Richtiges schaffen, sondern aus dem Seienden für sich etwas gewinnen. Es ist mit einem Worte die heutige ^europäische Politik. Und diese ist falsch, — weil sie nicht das unbedingte Gesetz sondern bedingte Zwecke zu ihrer Richtschnur macht, und weil sie Menschen als Mittel zu bedingten Zwecken benutzt. Wer vorgibt,