Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 233 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437758--270-3776660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geist des Judentums und tätiger Geist, 233 Erlebnis so gewaltig Und entscheidend, daß sich der junge Mensdi ihm völlig hingibt/ denn dadurch fühlt er seine Kraft ins Unermeßliche gesteigert. Dieser Rausch birgt aber die Gefahr in sich, daß er seinen Willen dem Erlebnis unterordnet, statt es mit seiner neuen Kraft zu meistern. Er fühlt sich im Innersten dem, der noch nicht solche Quelle der Kraft in sich gefunden hat, so unendlich überlegen, daß er sich auch dessen Zielen und Tun überlegen glaubt, —' ohne den Wert, den diese auch für ihn haben könnten, * überhaupt sachlich zu prüfen. Während er doch in Wahrheit mit dem andern, dem Rationalisten, zusammenarbeiten und ihm zeigen sollte, welche Kraft ihm die irrationale Wurzel seines Seins für jede richtige Tat ver* leiht, — wenn anders das Ziel des Rationalisten richtig ist. Dieses hat man zu prüfen. Jetzt dagegen wird allgemein das Subjektive der Tat, die seelische Disposition .des Tuenden, so überschätzt, daß das Objektive gar nicht mehr bedacht wird —* ja, daß er vielleicht gar nicht getan wird! Auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, halte ich für meine Pflicht. Um so mehr, als in dem ersten Heft der Zeitschrift der jüdischen Jugend gelegentlich eine Verurteilung des Strebens der Aktivisten erfolgt — allein aus dem Gefühl der Überlegenheit des subjektiven Standpunktes. Will man aber die beiden Richtungen — tätiger Geist und Geist des Judentums —' einander gegenüberstellen, kommt man mit dem Gegensatz: rational-rirrational nicht aus. Denn beide Begriffe haben keinen festen Inhalt: rational muß man jedes Tun nennen, das geschieht, weil es richtig ist. Und das ist auch bei der Tat der Fall, die Mittel zur Erreichung eines irrationalen Zweckes ist. Wollten wir also die Bezeichnungen Rationalist und Irrationalist verwenden, würden wir den Schwerpunkt der Betrachtung in das Motiv des Handelnden, also wiederum ins Subjektive verlegen. Es steht aber das Wollen der Aktivisten in gar keinem Gegensatz zum Zionismus. Denn sie wollen den Geist verwirklichen. Den Geist schlechthin. Der Zionismus will den Geist des Judentums verwirklichen. Also doch auch Geist und damit auch den Geist. <Ich will mich hier nicht unterfangen, etwa beide Richtungen zu beschreiben oder zu kritisieren. Mir kommt es lediglich auf den einen Punkt, den Übergang des Geistes zur Realität des Raumes und der Zeit, auf die »Verwirklichung« an.) In welcher Weise kann man denn aber überhaupt Geist verwirklichen? Wie kommen denn diese toto coelo verschiedenen Sachen, Geist und Wirklichkeit, zusammen? Die Antwort: Indem der Wille die Wirklichkeit zu einer geistigen macht, das ist, sie nach seinen Ideen gestaltet. Daher ist ja auch tatsächlich Ingenieurkunst etwas Geistiges! Aoer nicht darauf kommt es Aktivisten oder Zionisteri an, die mechanische Natur umzu* gestalten, sondern es gilt, das Zusammenleben der Menschen zu ver* geistigen..Denn auch dieses hat einen Naturzustand: das bellum omnium contra omnes, in dem der Wille des Individuums den Affekten dient und nicht dem Geiste. Das Gestalten dieses Naturzustandes ist das Ordnen und Regeln des Zusammenlebens der Menschen. Und die Idee dieses Grdnens, die somit das Schema bildet zwischen Geits und Wirklichkeit, ist —'.wie Piaton in seinem unvergänglichen Werke und das jüdische