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Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 232 (sequence 30)
Language
German
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232 Adolf Caspary: gerichtetem Gedankengange andere Jugendbewegungsformen sich ergeben müssen; und werden als die beispielsweise im »Bl. W.« meistens geübten. Nichts darf gut, schön und richtig sein, weil es jüdisch an und für sich ist —* nicht einmal das Blau^Weiß selber! Vielmehr müßte man sich unausgesetzt kümmern um das was wahr, groß, schön, richtig sei. Man müßte es suchen ohne jede Furcht vor Theorie, vor Tendenz, vor radikaler Entscheidung und vor allen möglichen nicht individuellen sondern prinzipiellen Gegensätzen mit der Außenwelt. Taktische Erwä* gungen gehören dem Führer, nicht der Jugend. <Furcht vor schlechtem Ruf u. s. w.> Anderseits aber möge die Jugend nicht bei einem heiteren Anders-Sein und eigenem Stil alle Sonntags von früh bis abends stehen bleiben. Ich spürte im Bl. W. hie und da die gefährliche Tendenz, »nur sich nicht dasXeben miesmachen«. Das führt zu einem Kulturphilistertum ärgster Sorte. Die jüdische Jugend bleibe nicht dabei stehen, daß sie vom engen Ghetto und verlogenen Bourgeois-Behausungen hinausfand in Wald und Feld und freie Luft zu Gesundheit, Spiel, Lied und Licht. Immer noch besteht es, vor dem sie floh, und wartet ihrer. Wartet — ihrer — nicht zu mystischen Erlösungen, sondern zu bewußter, erkennender Arbeit. Also nicht die Unbedingtheit und eine Problematik der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Erotik, der Erziehung sondern theoretische und praktische Arbeit an dieser Problematik! So schien es mir von manchen auf dem Trefftag aufgefaßt, aber diese Alternative besteht nicht. Im Gegenteil: Die Jugend soll lebend die Lösung suchen und sich in anständigem Studium um die Sachen kümmern. Jedem kommt es zu, mit Fachwissenschaft hat das nichts zu tun. Solche und ähnliche Einstellungen wünsche ich in der jüdischen Jugend* bewegung. . Lebe recht herzlich wohl, willst Du nicht einmal von Deinem Ergehen schreiben? Grüß, bitte, alle Blauweißen, die wir gemeinsam kennen, Dank Deiner Schwester Deine Frieda Schiff. Geist des Judentums und tätiger Geist. »Ich fürchte vor allem und habe bereits An* zeichen dafür, daß auch die neue edle Jugend« erziehungsbewegung allzusehr in den Bann dieser unheilvollen Theorie, in den wahllosen Irrationalismus, hineingerät.« <Max Brod in »Activismus und Rationalismus« seinem Beitrag zum zweiten der Zieljahrbücher«.) Diese Worte scheinen mir die Gefahr zu bezeichnen, die der jüdischen Jugend droht: daß die Kraft des — notwendig irrationalen — Erlebnisses der Gemeinschaft und des Volkes sie verführt, sich vor den Forderungen der Vernunft und der Pflicht in ihre Bewegung zu flüchten. Ist doch dieses

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