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Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 231 (sequence 29)
Language
German
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Liebe Kameradin! 231 Erfindung. Alles Prüfung, Wahl und freies Bekenntnis. Nichts Vorausbestimmung. und natürlich von Anfang an. Dennr daß wir sind, dafür können wir noch nichts. Soll aber daraus menschliches Leben werden, so; müssen wir es erst erwerben, erobern, gestalten. Vön vornherein ist kein Ding warbaft,. unzertrennlich unser,- erst, was ich sehe, bejahe und ergreife wird meid. Und weit wir vor dieser Entscheidung stehen: Wählend der Welt zu begegnen oder ohne jedes Lebens*Bigentum durchs* Dasein zu gehen, mit Süaub beladen, darum birgt" unsere eigentümliche Notlage die des Suchen^Müssens, zugleich eine bestimmte Aufgabe und einen bestimmten Wert ih sidi. Die Aufgabe heißt: Unvoreingenommen, unbedingt und weitend sich zu allem steifen. Der Wert liegt aber in eben diesem Tun. Denn weder das Kind, das ohne Distanz in der Ding*Welt drin steckt, noch der Erwachsene, der sich den Dingen ergeben hat oder ihnen erlegen ist, vermögen unbestechlich und >unpräktisch« zu betrachten öder gar zu handeln. Und doch bedarf die Menschheit einer Stätte, wo immer wieder von Gifund auf nach Sinn, Wert, Weg Und Ziel gefragt und gehandelt wird. Denn es« ist nicht wahr, daß das Leid nur in Form der Unterdrücfeüng,r Krankheit öder Not besteht. Da ist noch ein anderer Abgrund dessen Anblick wir ohne Taumel ertragen müssen und von dem wir un£ mit sicherer Hand forthelfen; müssen. Das ist die Frage — wozu? Nie könnte die Menschheit diese Frage ertragen, stünde nicht die Jugend mit einer Stirne da mit der Antwort: . »Und mein Dasein selbst müßte das Leben rechtfertigen«, <Nietzsche.> Wie aber erfüllt die Jugend diese -ihre Notwendigkeit, Aufgabe und Bedeutung? Zu der Frage —* bedarf sie des kühnen Blicks. Zur Wahl — einer innere n Gewißheit dessen,» wäs Wyneken den »objektiven Geist« nennt. Zur Erfindung und Tat des unvoreingenommenen Willens und des Führers> zü dem sie »ich frei entschließend bekennt. Zu wahrer Verwirklichung und Lebensgestaltung — der Gemeinschaft. Gemeinschaft mit der Erde, menschliche Gemeinschaft des Reichtums <und den will ich »Blut« nennen, nicht »Rasse«) und Gemeinschaft der Arbeit, deren würdige Form neu gesucht werden soll. Und nur so, so aber zwingend,, ergibt sich die Notwendigkeit eines Zusammenhanges vön Jugend und Volkstum. Den Gedankengang einzugehen, wir sind jung, um gute Juden zu Verden, lehne ich ab. Wir sind jung heißt uns suchen ob wir Menschen werden: wollen' tind* können*. Wir suchen den Menschen, also bedürfen vrk sdrieür Lebensformen und der Städte Bodens, auf der wir nach Ver^ wirklichung ringen dürfen, auf der wir sicher sind, daß sie die Erfüllung empfangen will, Weföhe wir schon vor Äugen haben, während wir noch die alten Trümmer zerstören. Also bedürfen wir des Volkstums/ bedürfen seiner Führer, seines Rates, seiner wirtschaftlichen Einheit. Ich bin überzeugt, daß aus so

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