Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 228 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Benö Freistadt: Pro domo. Pro domo. %> Gerhard Scholem hat in der Julinummer des »Jerubbaäl« dessen Lesern und Freunden Ade gesagt. Es war wohl eine scharfe Rede und wenn sie auch nur eines Mannes Rede ist, so gebührt ihr dennoch die Beachtung, die man dem ernsten Tadler nie absprechen darf. Es ist Sache des Herausgebers undJSache der mit einer königlidien Gebärde weggeworfenen Jugendbewegung sich zu verteidigen. Vielleicht läßt sich sogar, in be* scheidener Form allerdings, die Meinung aussprechen, daß man der großen Forderung des Schweigens mit einem Aufsatz von 240 Zeilen, 4 Fuß* noten und 3 Überschriften nicht gerade am allerzweckmäßigsten dient. Dies alles aber geht mich hier nichts an. Ich verwahre mich bloß ~~ geschwätzig, wie ich bin — gegen ein Mißverständnis. Ich spreche pro domo. Gerhard Scholem meint, daß in den Aufsätzen, wie die von Schwadron, Rappaport oder Freistadt »zionistischer Zeitgeist« spuke. Was zionistischer Zeitgeist heißt, gestehe ich nicht ganz klar zu erfassen. Zeitgeist ist die zur Herrschaft gelangte Idee. Zionistischer Zeitgeist daher der anerkannte über das Denken, Fühlen und Wollen Vieler herrschende Zionismus. Scholem meint, dies sei gefährlich/ er kann Recht haben und auch nicht. Nicht dieses Problem beschäftigt mich hier. Mich interessiert vielmehr die Frage, durch welches Mißverständnis verwirrt, er mir »zionistischen Zeitgeist« — sagen wir, zusprechen konnte. Mein im 2. Heft des »Jerubbaal« erschienener Aufsatz will eine Warnung vor zionistischer Jugenderziehung also Herrschaft des »zionistischen Zeitgeistes« — sein. Er wollte er* zielen, daß Manchem Zweifel an der absoluten Bedeutung des überlieferten zionistischen Ideals erwachsen und daß der Wehruf der vereinigten und unerlösten Menschheit, sowie die Klage ihrer erbärmlichen sozialen Not das Nachtgespenst des Nationalismus verscheuche. Seine Wirkung be* schränkte sich — soweit idh es ermessen konnte <-* bis auf eine einzige zustimmende Ausnahme, nur auf die Tatsache, daß sich einzelne junge Leute gereizt fühlten, ihren Widerspruch in Schmähbriefen auszudrücken. Sie schmähten mich einen Abtrünnigen. So sehr auch diese Fanatiker mich nicht verstehen konnten oder wollten, so taten sie meinem bescheidenen Aufsatz doch weit weniger Unrecht, als der abschiednehmende Schweig* samkeitsfreund mit seinem Vorwurf des »zionistischen Zeitgeistes«. Dies glaubte ich feststellen zu müssen,- ich bitte um Entschuldigung für mein »Geschwätz«. Benö Freistadt. Vom Religionsunterridit. . Ich kenne die Geschichte eines protestantischen Mädchens, deren Eltern Juden waren und die aus innerer Wahrhaftigkeit das Judentum wieder suchen wollte und den ersten Schritt dazu in der öffentlichen Wiederbe** kenntnis des jüdischen Glaubens sah, die sich nach Überwindung großer Schwierigkeiten auch die elterliche Erlaubnis dazu verschaffte. Sie setzte ihren Willen durch und wurde Jüdin, aber sie verzweifelte beinahe bei