Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 226 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2256 Df. Rudolf Menzel: E)ü' Dich» geschieden ztt» haben meinst, trötz manchen allzuharten Wortes, dks^ gefallen ist, auch das eine Echo hören: wir freuen uns, daß Du so gesprochen hast und werden uns immer wieder freuen, wenn Du Dein Selbstgeboteries Schweiget* brechen und' zu uns reden wirst,* mögen es* auch immer' Wieder sö härte und unversöhnliche Wörte sein" \*fer heute. Ich darf jetzt wohl in die Einzelheiten Deines Gedankengangesein^ gehen. Der Tenör Deiner Anklage gegen die jüdische* Jugendbewegung lautet: Gemeinschaft verlangt Einsamkeit. Verzeih mir, wenn ich ein Wortspiel mit einem ebensolchen beantworte: »Das ist zwar paradox, aber trotzdem nicht währ.« Gemeinschaft verlangt Beisammensein, verlangt die Fähigkeit, mit Menschen beisammen sein zu können. Bs ist wohl wahr, daß dies nur Menschen könne!!/ die auch einsam zu sein vermögen. Aber glaube mir, der nahezu durch vier Jahre durch das Fegefeuer der Einsamkeit, verschärft durch die Anwesenheit von »Kameraden« hindurch* gegangen ist telaübgt Du, daß nicht mancher von uns in gleicher Weise ein böses Lied von der Einsamkeit zu' sagen weiß?), glaube mir, das Bei* sammensein Menschengemeinschaft ist das hochwertigere, schönere und Wohl a\tik das schwerere als die Selbstgewählte oder aufgezwungene Ein* sämkeif. Die geistige und heimatliche Vereinsamung der Judenheit hat uns zu Galuth^Menschen gemacht, hat gegen uns die Feindschaft enfc* facht, die von Pinsker mit Recht als" maskierte Gespensterfurcht gedeutet wurde. Wir haben heute dieses Unglück unseres' Volkes erkannt .und wollen uns wieder zusammenfinden. Ob wir da immer die richtigen Wege gehen, wer weiß es? Aber ist der Schrei des Verdurstenden nach Wasser deswegen unwahr, weil er Deinen allzufeinen Ohren unharmonisch laut ertönt? Und weil es nur in Zion die echte jüdische Gemeinschaft gibt <wer würde das bestreiten?>, sollten wir uns nicht schon hier zusammen* finden dürfen? Gibt es nicht ebenso ein Galuth iri Palästina? Gibt es nicht dort ebenso Mensdien> die in gar keiner Weise gemeinschaftsreif sind, wie es bei urfs im Gallith Meiisdien gibt, die schön reif zur Gemeinschaft, aber ri o ch n i cfi t in Palästina sind^ Du hast Angst, daß die Jugend Zion und das Jüdertttim in Worten ertränke. Wöfety es mag manche von uns' geben,, denen Zion* eine ^Metapher« ist und derien riiiag ich nicht das Wort redenaber sind Dir jene lieber, d'etien £ion ein geographischer Begriff ist, »ein Land mit wirtschaftlichen Möglichkeiten, mit eiber Straßenkreuzung zwischen drei Weltteilen, das Land', um das Sich die Größmachte rauften«. Pur mich*sind die einen gleich wenig wert wie die andern, gleich wenig jugendlich, gleich wenig zionistisch, gleich wenig jüdisch. Und nadi beiden Seiten hin sei» es gesagt: Zion und d!as Judentum sind zu groß und- Zu stark, um im Geschwätz ertränkt zu werden, mag es nun ein etliisdh^kosmopolitiScheS oder ein kolonfalpölitisches Geschwätze Sein. Aber es ist sehr gut und dankenswert, daß einer es gesagt hat und immer wiedersagt: Hütet Etfdf vör dem »geistigen Jerusa^ lettifc, hütet Eudi vör den' Ideen eines* ästhetischen LtfxttszionisinxisV' der mit größer Geste älles oder gatf nichts will <vörfi Präger oder Berliner Kaffeehaus* tisch aus), Während einige 100 Kilömeter weiter ostwärts in} ganz: ordinär Sornas tischer und sozialer Not unsere Brüdet an Leib und Seele verkommen.