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Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 225 (sequence 23)
Language
German
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Dr. Rudolf M e n z e 1: Lieber Wanderbruder Gerhard Sdiolem! 225 Und euch Gottmachern, die ihr uns einen fertigen Gott geben wollt, daß wir ihn anbeten, dir Nathan Birnbaum, sagen wir, wir wollen nicht eueren Gott! Denn wie kann unsereiner, ein Verbrecher, ein Dieb, etwas von Gott wissen? Wie können wir, die jeden Augenblick sündig und verworfen werden, etwas über Gott aussagen? Dort! Dort, wird Er uns erstehen. , Hier wollen wir über ihn schweigen. Und schweigt auch ihr, die ihr nicht besser seid als wir. Wie es Buber sagte: »Ihr, die ihr die alten Scheine gegen neue ein^ tauschen wollt.« Nein, wir machen keine Tauschgeschäfte! 3- Und zuletzt noch euch, die ihr an der Falschheit des Wortes leidet, <es ist euere Schuld!) und darüber so wohlgefällig und unglücklich schreiben könnt. Wer heißt euch reden? Seht ihr die Zeichen nicht? Die Zeit der Rede ist vorbei. Um das Bewähren, um die einfache, bescheidene Tat geht es. <Nicht um Opfer!> Denn jetzt gibt es ein Kriterium des jungen Juden, wie es sein soll: seine Tat! Vereinigen wir uns, meine Brüder und Schwestern. Reichen wir uns die Hände. Und gehen wir, gehen wir hart und fest. Dann wird es geschehen! * Heinrich Süßkind. Lieber Wanderbruder Gerbard Scbolem! Du wirst vermutlich gegen diesen Titel protestieren wollen, aber es nützt Dir nichts,- für mich bist Du Wanderbruder geblieben, vielmehr ich erkenne einen solchen in Dir seit ich Deinen haß« oder sagen wir besser liebedurchglühten Absagebrief an die jüdische Jugend gelesen habe. Es ist eine alte jüdische Tradition, daß der noch nicht aus der Gemein^ schaff ausscheidet, der sich aus Gründen des Geistes gegen sie stellt. Elisa ben Abuja, der sich den Acher nannte, dem folgte sein Sdiüler, der hochweise Rabbi Mei'r, um von ihm zu lernen. Und als aus dem Grabe des Abtrünnigen die Höllenflammen der strafenden Gottheit loderten, da erlöste ihn die Treue derer, mit denen er in geistiger Gemeinschaft über den Tod hinaus verbunden war aus den Qualen des Höllenfeuers. — In diesem Sinne konntest auch Du den Blau-weiß nicht verlassen, Du magst es immerhin formell getan haben, weil Du der jüdischen Jugend grollst, daß sie nicht Deine Wege geht und namenlose Angst erduldest, ihre Wege könnten Irrwege sein. Denn das eine spüre ich, nur Liebe und Angst spricht aus Deinen Worten. Über die Liebe wollen wir kein Wort weiter verlieren, sie ist uns beiden zu heilig, um sie im »Ge* schwätz« zu ertränken. Aber die Angst scheint mir nicht in allem unberechtigt zu sein. Und deshalb sollst Du aus der Jugend heraus, von der

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