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Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 220

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 220 (sequence 18)
Language
German
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220 Frau Dr. M a i s e 1 «Scfiodiat: Haushältungsbetrieben viel Erfahrungen gesammelt haben. Denn es muß ja klar sein, daß wir in Palästina vorläufig weder Haushaltungsschulen noch musterhafte Haushaltungzn haben, in denen man das nötige Rissen erwerben konnte, daß die Mehrzahl der nadi Palästina Einwandernden aus Osteuropa stammt, wo der Haushalt unter dem Mittelstande nicht auf der Höhe steht -und nodi vieler kultureller Einrichtungen entbehrt, und daß wir uns in Palästina mitten in einer kulturell sehr niedrig stehenden jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung befinden, deren Einflüsse wir unbewußt unterliegen. Es ist klar, daß es ein zu langer Weg ist, durch Selbsterfahrung alles zu erlernen. Es ist meiner Meinung nach die direkte Aufgabe, der deutsdi^jüdischen Frau, die durch jahrelange Erfahrung und Studium auf diesem Gebiete in Deutschland angesammelte Kultur und Wissen sich anzueignen um so viel es den palästinensischen Ver* hältnissen nach möglich ist, in Palästina zu verwerten, umzugestalten und weiter zu entwickeln. Könnte die deutsch^jüdische Frau zu solchem Wissen und Können die Aufopferungsfähigkeit und den moralischen Mut der russisch-jüdischen Pionierin gesellen, dann würde ihre Arbeit von großem Segen für unsere Kolonisation sein. Denn es braucht ja kaum der Betonung, von welchem großen Einflüsse ein einfacher rationeller, kulturell eingerichteter Haushalt auf den wirtschaftlichen, hygienischen und sogar geistigen Zustand sein kann. Ebenso könnte die Frau durch Einrichtung passender, einfacher, billiger, gemütlicher Heime in der Stadt für die Neuankommenden, diesen manch schwere Stunde und schwere Enttäuschung sparen. Es ließen sich viele notwendigen Dinge auf diesem Gebiete einrichten, wenn die passenden gut ausgebildeten Arbeitskräfte dazu da wären. II. Außer im Haushalte sollten die Mädchen auf den Gebieten der Land* Wirtschaft, die für die Frau besonders geeignet sind, tätig sein. Nun brachten sie auch auf diesen . Gebieten keine Kenntnisse, keine Ausbiß düng mit. Welche sind die landwirtschaftlichen Zweige, die für die Frau in Frage kommen? Wie bekannt: der Gartenbau, speziell der Gemüsebau, die Geflügelzucht und die Milchwirtschaft. Bis ganz zuletzt mangelte es gerade an diesen Zweigen, wahrscheinlich, weil sie der Kolonistenfrau meist fremd waren. Während des Krieges wurde in den Kolonien viel mehr Gemüsebau betrieben, aber doch nicht in solchem Maßstabe, daß die Kolonistenfrau eine Hilfe in Form von einem Lehrlinge nötig hätte. Audi die Genossenschaften haben mit dem Gemüsebau nur erst in den letzten Jahren angefangen und hauptsächlich zwecks Deckung des eigenen Bedarfes. Geflügelzucht wird bei den Kolonisten, in den Genossen* Schäften und auf den verschiedenen Farmen nur in sehr kleinem Maß* stabe betrieben. Die Milchwirtschaft "wurde in den letzten Jahren, be* sonders in den Genossenschaften etwas mehr entwickelt. Die Genossen* Schäften aber möchten mit Recht gut ausgebildete weibliche Genossinnen haben und nicht unausgebildete schwächliche Arbeiterinnen, mußten sich aber leider meistens aus Mangel an ersteren mit den letzteren begnügen, weshalb auch die Zweige der Wirtschaft, die gewissermäßen der Frau

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