Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 219 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Was uns not tut. 219 oft angebrannt oder mit Rauch. Das Menu bestand aus einer Suppe und einem Brei. In der Suppe blieb jeder Bestandteil meist für sich, das heißt, das Fett schwamm o£>en, die Graupen unten, das Wasser mitten drin, es wollte nie etwas Gemeinschaftliches, Zusammenhängendes werden. Im Verhältnis zu dem Verdienste der Arbeiter war das Essen auch zu teuer. Die Arbeiter wären oft ungeduldig und unzufrieden mit dem Essen, die Mädchen, da sie doch ihr Bestes taten, ihr Bestes gaben und nie ihre Mühe schonten, tief gekränkt. Diese Umstände führten dazu, daß diese Arbeit den Mädchen gänzlich verleidet ist, und daß sie sich ihr nicht mehr mit Liebe widmen, sondern aus Not, da sie diese Arbeit nicht umgehen können. Einerseits sahen sie ein, daß diese Arbeit von der Frau gemacht werden muß, andererseits wird auf allen Farmen und in allen Arbeitergenossenschaften den dort arbeitsuchenden Mädchen als Pflicht gestellt, eine gewisse Zeit abwechselnd mit den anderen in der Küche und bei den sonstigen Haushaltungsarbeiten tätig zu sein. Nicht viel besser ist es in den Arbeiterfamilien, da auch hier die Einrichtung sehr schlecht ist, oder besser gesagt, es fehlt gänzlich jede Einrichtung und jede Kenntnis, wodurch die Arbeit vermehrt und erschwert ist. Die Mädchen trotz des ungeheuren Kapitals an Fleiß und Liebe zur Arbeit,« das sie mitbrachten, wurden ihrer Aufgabe, ein einfaches gemütliches, gesundes, billiges und den sonstigen Verhältnissen angepaßtes Heim für Alleinstehende oder Familienarbeiter zu schaffen, nicht gerecht. Ich sehe die einzige Ursache dieses Mißlingens im völligen Mangel jeder Aus^ bildung. Ich habe binnen acht Jahren, die ich in Palästina zubrachte, unter den Arbeiterinneri, denen ich begegnete, und unter denen sehr viel intelligente zuweilen auch gebildete und wohlhabende Mädchen waren, keine einzige getroffen, die, bevor sie nach Palästina gingen, sich in der Haushaltung mehr oder weniger ausgebildet hatten, trotzdem sie im Lande immer ausnahmslos eine gewisse Zeit einen größeren Arbeiter^ haushält versorgen mußten. Weder kannten sie die Arbeit, noch wußten sie wie man sie richtig einteilt, noch weniger, wie das Haus und die Küche eingerichtet sein mußten, und was dazu gehört, um da richtig zu arbeiten. Sie hatten keine Ahnung von der Ernährungskunde, von der Hausökonomie usw. In keinem Arbeiterhaushalte wurden irgend welche Konserven in der Zeit der Fülle vorbereitet, vor dem Kriege überhaupt keine Vorräte in der billigen Zeit angeschaffen,- es sind auch keine rich^ tigen Vorratskammern und Keller beim Bau der Arbeitsküchen und Häuser vorgesehen. Durch lange Jahre schwerer Arbeit haben die älteren Arbeiterinnen gelernt, die Suppe, den Brei und die gewöhnlichen Gemüsearten leidlich zuzubereiten, ihre Arbeit etwas besser einzuteilen und dadurch auch viel leichter fertig zu werden. Darüber hinaus sind sie nicht gekommen. Es steht jetzt, wie bisher, vor der einwandernden Frau die große Aufgabe, den einfachen, gesunden, rationell und kulturell ein^ gerichteten Haushalt zu schaffen. Es gehört, um diese Aufgabe in Pa^ lästina gut zu lösen, eine große Anzahl gut ausgebildeter Mädchen und Frauen, die hier, in Europa; alles dazu gehörige theoretische und praktische Wissen erworben haben, und in den besten großen und kleinen