Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 218 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Frau Dr. MaiscUSchodiat: Handfertigkeit besaßen, standen in ganz neue und sehr schwere Ver* hältnisse versetzt, vor großen, praktischen Aufgaben. Und trotzt der zu leisten war, traten sie an die Arbeit. War es Mut, war es »Chuzpe?« Weder dies noch jenes. Richtiger war es einerseits die heilige Einfalt, die große Naivität der meisten Idealisten, die die Wirklichkeit nicht sehen, und andererseits die Not das Brot zu erwerben. Alle waren tief über* zeugt, daß sie was Großes leisten, indem sie das müßig*parasitärische Leben des Golus verlassen haben und an der produktiven schaffenden Arbeit in Palästina Teil nahmen, und dieser Glaube machte sie glück* selig und gab ihnen den Mut und die moralische Kraft, ihr schweres Dasein mit Freude und Leichtigkeit zu tragen. Und schwer, fürchterlich schwer mußte doch das Leben für sie sein. Schon die ungewohnte physische Arbeit den ganzen Tag hindurch, dann besonders im Sommer, die große Hitze, die die Arbeit selbstverständlich noch' sehr erschwert, das häufige Fiebern, das Wiederkehren zur anstrengenden Arbeit, bevor man sich noch einigermaßen erholt hat, das ungewohnt schlechte Essen, das Fehlen von Fleisch, an das man in den Golusländern so gewohnt ist, das ewige eintönige und fade Gemüse und Himmelsmanna, sehr schlechte und enge Wohnungsgelegenheiten, meistens mit ein paar fremden unbekannten Mädchen zusammen, oft Mangel an den nötigsten Kleidungs* stücken, deren Wert sich sehr schwer vom kleinen Lohn absparen läßt, und über alles die Unsicherheit in der Arbeit, das nie Fertigwerden* können, das nie Gerechtwerden der Arbeit. Und trotz all dieser und noch anderer unzähliger Schwierigkeiten waren sie so glückselig, wie ich es noch nirgends auf Erden sah, und das geschah, weil sie ihren Willen durchgesetzt hatten. Und trotzdem taten sie mir furchtbar leid, und nicht der Schwere ihres Lebens wegen, nein, denn diese machte sie ja glücklich: sie glaubten, ihre Bedeutung, ihr Wert sei gleich der Schwere, die sie tragen. Ich bedauerte sie nicht ihretwegen, sondern der Sache wegen, unserer Sache wegen. Was hätten diese Mädchen bei ihrem starken Willen, bei ihrer Ausdauer, Arbeitslust, Anspruchslosigkeit leisten können, wenn sie richtig ausgebildet gekommen wären, und was haben sie in der Wirklichkeit geleistet? Was war die Hauptaufgabe und Hauptbeschäftigung der Mädchen? Zu allererst, wie überall auf Erden, die Beschäftigung im Haushalte. Da die meisten Arbeiter unverheiratet und ohne jeglichen Familienanschluß dastanden, war die erste Aufgabe der Frau, eine Art Heimstätte oder Arbeiterküche für diese zu schaffen und zu versorgen. Die ersten arbei*- tenden Mädchen betraditeten es als ihre heilige Pflicht und widmeten sich ihrer Arbeit mit viel Liebe. Aber trotz der großen Mühe, die die Mädchen sich gaben, war die Organisation der meisten Küchen immer sehr schlecht. Es fehlte und fehlt noch heute an jeglicher Einrichtung, durch die man Arbeit spart oder erleiditert. Die Mädchen arbeiteten meistens in den Küchen von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends, ohne daß sie dabei je richtig fertig wurden. Es war selten genug sauber, das Essen meist geschmacklos, schlecht und besonders in den ersten Jahren