Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 217 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437758--254-3776644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frau Dr. MaiscUSdiocfcat: Was uns not tut. 217 jede andere/ den Gedanken, man könne Land kaufen und verkaufen, nur um des Nutzens .willen, muß sie zurückweisen,- der Grund und Boden muß dem Volke gehören, dem Einzelnen anvertraut, auf daß er ihm seine Kräfte leihe. »Das römische Eigentumsrecht,« so sagt Franz Oppenheimer in den Schriften des Natinalfonds »Gemein-Eigentum und Privateigentum an Grund und Boden«, ist die Schöpfung des blutigsten Kriegervolkes der Weltgeschichte, so scharf und spitzig zugeschliffen,, wie der Stahl seiner welterobernden Speere. Es heißt das private Eigentumsrecht, wohl auch das privative, und das heißt wörtlich übersetzt, das beraubende Eigentums^ recht. Es heißt audi das »Quiritische« Eigentumsrecht, und quires heißt der Bürger, und ursprünglich der Speerträger, der waffenfähige Mann, Es ist ein Recht der Eroberung mit dem Speere. Unter diesem Eroberungsrechte des Speeres hat niemand so schwer gelitten, wie das jüdische Volk/ das der römische Speer über alle Welt verstreut hat. Nicht das Recht des Speeres wird ihm sein Reich und Land wiederschaffen, sondern nur das friedliche, süße und sanfte Redit des Pfluges. Nicht die Herrschaft haben wir in Palästina wieder einzuführen, sondern ihr ewiges weitj! geschichtliches Gegenspiel, die Genossenschaft. In diesem Zeichen werden i wir siegen, in jedem anderen Zeichen werden wir untergehen.« Über Genossenschaft ein ander Mal. Fritz Sternberg. Was uns not tut. Noch in Palästina hatte ich das Bedürfnis einmal zu meinen Gesinnungsgenossinnen in der Diaspora zu sprechen. Denn soweit idi diejenigen, die nach Palästina kommen, kennen lernte, hatte idi immer das Gefühl, daß man in der Diaspora nicht im klaren ist, was uns in Palästina not tut. Seitdem »ich jetzt wieder in Europa bin, und nachdem viele sich an midi mit Anfragen wandten, ist dies Bedürfnis in mir stärker geworden. Und trotzdem mußte ich jedesmal, wenn ich die Feder in die Hand nahm um meinem Wunsche geredit zu werden, diese sdinell zurücklegen, so einfadi und selbstverständlich erschienen mir die Dinge, über die idi sprechen wollte. Und idi hätte aus diesem Grunde diesem Wunsche, wahrscheinlich, nie nachgegeben, wenn ich dazu nicht direkt aufgefordert worden wäre. I. Was haben die meisten Mädchen, die nach Palästina kamen, mitgebracht? Die besten unter ihnen sehr viel Idealismus, sehr viel Hingabe, einen starken Willen der Sache des Volkes zu dienen und ihr das ganze Leben zu widmen, aber absolut keine Vorbereitung dazu. So sehr idi die große innere Kraft dieser Mädchen immer bewunderte, taten sie mir doch auch immer herzlich leid. Denn trotz der großen moralischen Kraft und den unglaublichen Anstrengungen dieser Mädchen, waren die Resultate ihrer Arbeit meist sehr erbärmlich. Und kein Wunder. Mädchen, die in der Stadt aufgewachsen sind, die meist nie früher praktisch beschäftigt waren, die nie früher durch ihrer Hände Arbeit sich ernährt hatten, die keine