Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Die Gesetze der Sdhomrim. V. Der Schomer ist ein Freund der Natur. Durch lange Jahrhunderte war der Jude von der Natur abgeschnitten. Nie drang in die schmalen Gassen des Ghetto der Duft blühender Blumen und nur selten stahl sich dorthin ein Sonnenstrahl. So ist dem Juden das Verständnis für die Natur abhanden gekommen. Die Natur, die Mutter allen Lebens, die Mutter-Erde, ward ihm ein Fremdes. Der Schorn r wird diesem Übel abzuhelfen trachten. Indem er die Natur, die Steine und Pflanzen, die Tiere und Vögel, kennen zu lernen versucht, wird der Schomer ihre Schönheiten begreifen, wird Sinn für sie bekommen und die Objektivität des Sehens und des Hörens wiedererlangen. Die Natur wird ein Balsam für die kranke Seele und den siechen Leib des Juden sein. Die Mutter Natur wird Jünglinge von krummen Rücken und ungesunder, überspannter Phantasie, zu geraden, natürlichen und vollen Menschen erziehen. Indem er die Natur kennen und lieben lernt, wird der Schomer nie** mals Blumen oder Bäume unnützerweise schädigen oder gar Tiere quälen oder töten. Seine Pflicht ist es auch, jeden Schädling zur Verantwortung zu ziehen, einerlei ob es ein Kutscher ist, der mit der Peitsche unbarm^ herzig auf die Pferde einhaut, oder ein Bube, der der Fliege die Flügel ausreißt. VI. Der Schomer gehorcht unbedingt seinen Vorgesetzten. Was dem Gegenwartsjuden am meisten fehlt, ist die Fähigkeit, die Gemeinschaftsinteressen gehörig einzuschätzen. Der einzelne Jude hat für sie kein Verständnis und ist demzufolge außerstande, ihnen seine eigenen Interessen zu opfern und seine eigenen Ziele, dem was man bonum publicum nennt, unterzuordnen. Und doch ist der Mensch ein »zoon politikon« und nur in einer gesunden Gemeinschaft kann der Einzelne sich ganz entwickeln. Der Jude kann nicht gehorchen. Es muß daher der Schomer in der Schomrimgemeinschaft gehorchen lernen, gehorchen oft wider seinen Willen und gegen seine Überzeugungen,- aber nicht nur ge^ horchen muß der Schomer lernen, sondern auch befehlen: mit Nachdruck und Selbstsicherheit. Der Schomer wird den Befehl seines Vorgesetzten erfüllen, als den eines älteren Bruders, dem die moralische Kompetenz des Befehlens zusteht und wird die auf ihn gesetzten Hoffnungen niemals trügen. <Es versteht sich jedoch von selbst, daß der Schomrimleiter diese seine Kompetenz niemals in persönlichen oder privaten Angelegenheiten, mißbrauchen wird.) Denn nur eine ihren Vorgesetzten gehorsame und treue Jugend ist ihrer Aufgabe gewachsen. Doch nicht blinde, militärische Zucht ist unser Ziel, sondern zielbewußter, verständnisvoller Gehorsam. VII. Der Schomer ist immer froh und heiter. Fremd ist dem Schomer Lebensüberdruß und Unliist zur Arbeit. Fremd ist ihm die Desperation im Unglück und in schwieriger Lage. Der Schomer wird niemals einten ärgerlichen Gesichtsausdruck annehmen, niemals ein zynisches Lächeln aufsetzen. Ein heiteres Gesicht und ein frohes Lächeln.