Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gesetze <Jer Schomrim. 207 sein sowie persönliches sich Hinbegeben. In geeigneter Zeit wird er seiner Liebe zum Vaterlande Ausdruck geben, indem er sich nach Palästina begibt und sich dort auf seinem Boden produktiv betätigt. Und wer nicht in der glücklichen Lage sein wird, seine Kraft und sein Leben der Arbeit auf eigener Scholle zu widmen, für den steht auch hier im Golus ein weites Betätigungsfeld offen. Die Arbeit an der Hebung des kulturellen und wirtschaftlichen Niveaus seiner Brüder im Golus und an der Heran** Ziehung einer gesunden, kräftigen Jugend, in deren Hand das Volk mit Ruhe seine Zukunft legen kann. £ III. Der Schomer ist der Bruder jedes einzelnen Schomer. Wir besprachen oben die Pflichten des Schomer gegenüber seinem Volke. Wir wollen nun auch einige Worte vom Verhältnis der Schomer zur kleinen, mikroskopischen Volksgemeinschaft sagen, zum: Schomrimnest. Schon im Neste gewöhnt sich der Schomer zu gemeinnütziger Arbeit, zur Mitarbeit an einem Ideale, für bonum publicum. Indem er seine kleine Schomrimgemeinschaft und die einzelnen Glieder derselben liebgewinnt, gewöhnt er sich nicht nur für sich selbst und seine eigenen Ziele zu wirken, sondern wird auch die ganze Gemeinschaft, der er angehört, tätig sein und das sind: das Volk und seine Brüder, die Juden. Die gemeinsame Arbeit an einem Ziel wird die Schomrim einander näherbringen und sie mit stärkeren Banden einander verknüpfen als dies vielleicht Blutbande imstande sind. Der Schomer ist der Bruder jedes einzelnen Schomer, hilft ihm in der Not und dient ihm mit Rat und Tat. Der Schomer sieht in jedem einzelnen Schomer ein Glied seines eigenen Stammes,- einen Menschen, der seine Sehnsuchten und Träume, seine Hoffnungen und Ideale teilt. Denn nur eine starke und einige Jugend von einem einzigen Ideal ergriffen, kann wirklich Großes schaffen. IV. Der Schomer ist stets freundlich und seinen Nächsten behilflich. Das althebräische Ideal, das Ideal unserer Propheten, das nachher durch das Christentum in der ganzen Welt verbreitet wurde, findet in diesem Gesetze seinen Ausdruck. Und ebenso wie das Ideal der Wahrheit, hat auch das Ideal der Nächstenliebe und -hilfe im Schomrimnest seine Realisierung gefunden. Nicht ein irrender Ritter, der hoch zu Roß auf die Suche nach guten Taten sich machte, sondern der Rabi Hillel mit seiner Engelsgüte und Geduld, wird des Schomer Vorbild sein. Nie wird er mit verschränkten Armen an einem Unglück vorbeigehen, jedermann wird er helfen wollen und jeden aus der Not zu erretten bemüht sein. Es muß daher der Schomer immer hilfsbereit sein. Denn selbst der beste Wille versagt oft, wenn es an Kräften und Gewandtheit fehlt. Die Kenntnis der ersten Hilfe in plötzlichen Fällen, die Gewißheit schneller Orientierung und Dezision sowie die Geistesgegenwart, die sich der Schomer erworben, verhelfen ihm, seinen Nächsten in ausgiebiger Weise zu dienen. 16*