Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1918-09-01 · 6 (9.1918) · p. Seite 206

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
6 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 206 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437758--243-3776633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

206 Die Gesetze der Sdiomrim. IL Der Schomer ist seinem Volke treu. Der Schomer wird im Dienste seines Volkes sein Leben lang stehen und stets darnach streben, ihm mit aller Kraft in seiner moralischen und physischen Wiedergeburt behilflich zu sein und ihm eine ruhige Zukunft in seiner Heimat,-in Palästina, zu sichern. Es muß daher der Schomer notwendig sein Volk gründlich kennen lernen, sich mit seinen allfälligen kulturellen Werten bekanntmachen, eindringen in die tiefsten Tiefen seiner Psyche, sowie die Umstände kennen lernen, unter denen sein Volk seit Jahrtausenden lebt. Der Weg zur Kultur des Volkes wird für den Schomer die hebräische Sprache sein. Diese Sprache ist nichts Äußerliches und das Wort ist keine tote Formel. Worte beinhalten Begriffe. Wenn auch das »Jafeh« des Hebräers und das »Kalos« des Griechen im Wörterbuche identisch sind, was herrscht doch unter ihnen für ein gewaltiger Unterschied! In der Sprache ist der Geist des Volkes enthalten, der zu uns durch seine kulturellen Schöpfungen spricht. Es wird auch der Schomer durch die Sprache sich in die Volksseele vertiefen, in sich die Begriffe und Gedanken, die Ideale und Bestrebungen unserer unabhängigen Ahnen aufnehmen und sie zu seinen eigenen machen. Die hebräische Sprache ist für uns ein Schlüssel zu der gegenwärtig schmachtenden, in Ketten geschlossenen Seele unseres Volkes, die ihre Fesssei zu sprengen versucht. Sie ist ferner die Sprache, in der der gesundeste Teil unseres Volkes, unsere Brüder in Palästina, lebt und wirkt. Der Schomer muß die hebräische Sprache beherrschen und wird bemüht sein, ihr in seiner Familie, in seiner Umgebung, sowie in der ganzen Gemeinschaft, das größte Ansehen zu verschaffen. Es ist für den Schomer unerläßlich, sich dem Volke zu nähern, es kennen zu lernen und die zerrissenen Fäden zwischen Volk und Jugend neu anzuknüpfen. Der Schomer wird sich zu seinem Bruder im langen »Chalat« jederzeit bekennen und nie wird er öffentlich die religiösen Vorschriften überschreiten, denn dies entfernt ihm nur vom Volke und vertieft nur den klaffenden Abgrund, der zwischen dem Volke und seiner Jugend gähnt. Das Ideal der jüdischen Wiedergeburt in die Bethäuser und die jüdischen Gassen zu tragen, die Massen national aufzuklären, das wird des Schomer heiligste Pflicht sein. Es wird deshalb der Schomer diese so sehr verachtete Volkssprache, den »Jargon« beherrschen, denn dies wird ihn dem Volke unmittelbar näherbringen und mit dem Volke verknüpfen. Dies umsomehr als ja diese Sprache und ihre Kultur die Golusseele unseres Volkes treulich widerspiegelt. Die Geschichte seines Volkes, seine Entwiddung und seinen Fall, seine Siege und seine Leiden wird der Schomer' bemüht sein kennen zu lernen und zu verstehen. Und unsere Geschichte verstehen heißt für den Schomer: eine der unabhängigen Vergangenheit würdige Zukunft schaffen, mitarbeiten an der Wiedergeburt unseres Volkes in Palästina. Das Land unserer Ahnen und das Land unserer Zukunft wird der Schomer vor allem kennen zu lernen trachten^ und kennt er es, wird er es sicher liebgewinnen. Der Weg zum Kennenlernen Palästinas wird für ihn entsprechende Literatur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.