Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 6 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437758--242-3776632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Gesetze der Sdiomrim * Das Wort Gesetz birgt für uns nicht ein totes Dogma, das das indiV viduelle Leben des Einzelnen behindert, sondern wir verstehen darunter eine gewisse Maxime, die ihren Ursprung in der stillen und doch so deutlichen Stimme unseres Herzens hat Daraus folgt die logische Konsequenz, daß wir nicht anstreben werden, daß die Einzelnen, die sich um unsere Fahne drängen, diese Gesetze auswendig kennen, ohne sie im Leben anzuwenden, oder aber daß sie sie zwar ausüben, jedoch ohne tieferes Verständnis und Durchdrungensein von ihrem lebendigen Inhält. Unser Ideal ist es vielmehr, daß jeder Jüngling, der in unseren Kreis tritt, von der Schönheit dieser ethischen Grundsätze ergriffen, sie in einen chemischen Bestandteil seines eigenen »Ich« verwandelt und sie als seine höchste Lebens^ aufgäbe erachtet. Die Gesetze der Schomrim müssen »thorafc sd/balew« sein, eine Lehre, die im Herzen eingeschlossen ist. Darauf müssen vor allem diejenigen bedacht sein, die sich der verantwortlichen Aufgabe der Leitung und Erziehung unserer Brüder in »Kwuzoth« unterzogen haben. Sie werden nicht von außen hin ihren Jungen Dogmen aufdrängen, sondern durch geeignete Erläuterungen und vielseitige Besprechungen der Gesetze werden sie es zustandebringen, in den jugendlichen Herzen Bewunderung und Entzücken für dieselben zu erwecken und durch Voranleuchten mit lebendigem Beispiel werden sie den Weg zu ihrer Realisierung im täglichen Leben zeigen. Wir hoffen, daß der ins Leben •tretende Schomer, seine Jugendideale nicht verwerfen wird, sondern sie immer und überall im Leben anwendet. L Auf das Wort des Schomer ist ein unbedingter Verlaß. In der Gemeinschaft der Älteren, im täglichen schweren Lebenskampfe vergeht und verschwindet das prophetische Ideal der unbedingten Wahrheit. In der jungen, idealen Gemeinschaft, wie es das Schomrimnest ist, unbehindert durch materielle Umstände, kann das Ideal der Wahrheit verwirklicht werden. Wir stellen daher dieses Postulat in unbedingter Form auf, die; keinerlei Kompromisse verträgt. Unser ganzes Erziehungssystem hat in diesem Grundsatze seinen Schwerpunkt und ist dies sozusagen das Fundament des ganzen Gebäudes unserer Gedanken und unserer Ziele. Denn welche Gewähr ist uns geboten, daß der Schomer die freiwillig auf sich genommenen Verpflichtungen erfüllen wird, wenn er nicht wahrheitsliebend ist, wenn er anders denkt und anders spricht? Der ärgste Mangel unserer Jugend ist oft Selbsttäuschung, Phraseologie, das Sichgefallen in großen Worten und schönen Wendungen, ohne sich gehörig davon Rechenschaft zu geben, wozu sie den Einzelnen verpflichten. Unserem Volke fehlt es am meisten an offenen und wahrheitsliebenden Menschen, die ohne Pose und Berechnung all das aussprechen, was sie wirklich fühlen und was sie jederzeit mit Taten zu dokumentieren bereit sind. Wir müssen ihm daher solche Söhne erziehen, und bewerkstelligen können wir dies, indem wir das Postulat aufstellen: seid wahrheitsliebend und offen. * Übersetzt aus dem soeben erschienenen: '»Poradnik dla kierownikow szomrowych.« 16