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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 202 (sequence 40)
Language
German
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202' Rundschau. An der Schwelle von Erez Israel . Die Erklärungen der Entente über die Zukunft Palästinas riefen in alier Weit eine Bewegung hervor, die, wie be* greiflich, auch am goldenen Horn Wellen schlagen mußte. Bei einem Besuche am Berliner Hofe verständigte der Großwesir eine jüdische Abordnung, die bei ihm vorsprach, von seiner Absicht, eine De* legation der Judenschaft der Mittelmächte nach Konstantinopel einzuleiten, um mit ihr die jüdische Einwanderung in die Türkei, die Kolonisierung Palästinas und die »Sdiaffung eines jüdischen Zentrums« auf diesem klassischen Boden zu beraten. Eine Form, sicherlich nicht weniger ein* drucksvoll als der Brief, in dem Bälfour Lord Rothschild ein »national jewish home« in dem Lande der Väter ver* sprochen hatte. Doch war es Talaat Pascha nicht nur darum zu tun, den Ein* druck dieser Botschaft der Entente zu paralysieren. Wie er wiederholt erklärte, hatte er auf seiner Berliner Reise das Judentum als eine Macht schätzen gelernt, mit der man zu rechnen habe. Jeden* falls war es ein Moment von historischer Bedeutung: seit vielen Jahrhunderten wieder das erste Mal/ daß eine Staats* leitung mit Vertretern des jüdischen Volkes als solchen in Verhandlungen einzutreten den Wunsch kundgab. Aus den von der Entente besetzten Teilen Palästinas trafen inzwischen foit* gesetzt günstige Berichte ein. Von der Einsetzung eines jüdischen Volksrates höete man; Jerusalem erhielt Wasser* leitung und elektrische Straßenbahn; in neun Stunden fährt man im Eilzug von Kairo nach Jerusalem. Um so peinlicher berührten Nachrichten über bisher uner* hörte Gewalttaten, von ottomanischen Behörden an einzelnen Juden wie an ganzen jüdischen Gemeinden verübt. Grausamkeiten, die einzeln hier aufzu* zählen .uns nicht so sehr das Bundes* Verhältnis zur Türkei verbietet als -weit mehr die aus den Versicherungen der höchsten. Stellen in Konstantinopel ge* wonnene Überzeugung, daß hier nur Übergriffe untergeordneter Behörden vorliegen. Gehässigkeit gegen die jüdische Be* völkerung ist dem Türken von Hause aus fremd. Streift man im Gespräch mit einem türkischen Würdenträger die jüdische Frage, so wird er es sicherlich nicht unterlassen, auf das traditionelle gute Einvernehmen zwischen Türken und Juden hinzuweisen. Gewisse Maßnahmen Djemaf Paschas wirbelten allerdings seiner* zeit viel Staub auf. Doch wissen auch die Araber in Damaskus von solchen Härten manches zu berichten. Daß aber angesichts der Erklärungen der Entente über die Erlösung der kleinen Nationen, gleichviel ob und in wieweit diesen Worten die Praxis entspricht, für chau* vinistische Ausschreitungen der gegen* wärtige Zeitpunkt höchst unglücklich gewählt wäre, leuchtet ohneweiters ein. Geradezu wie eine öffentliche Absage an diesen Panottomanismus oder,, wie er Von der Entente genannt wird, »Pan* turanismusc erfolgte im Mai Talaat Paschas Einladung zu jeher Konferenz, gerichtet an die »Zionistische Organi* sation«, die »Freie Vereinigung für die Interessen des gesetzestreuen Judentums«, die »Viod« <Vereinigung jüdischer Or* ganisationen Deutschlands) und das »österreichische Komitee für den Orient«, Sämtliche Gruppen entsandten Vertre* tungen. Die Delegation wurde vom Großwesir feierlich empfangen, und an die' Konferenz sollen sich die Arbeiten eines Komitees anschließen, das aus Delegierten der Hohen Pforte und Be* vollmächtigten der mitteleuropäischen Juden zu bilden ist; Daß die Araber Gegenanstrengungen machen, kann nicht wundernehmen. Eben* sowenig, daß gewisse an dieser Frage interessierte politische Faktoren auf der anderen Seite unsere jüdischen Forde* rungen unterstützen. Wie immer sich aber das Ergebnis dieser Verhandlungen gestalten, ja über* haupt die Entscheidung über Palästina

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