Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 201 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschen — Bücher — Bewegungen. 201 sie brechen dem europäischen Fortschritte Bahn und beschützen ihn.« Diesen Politikern würde ich erwidern: »Langsam, meine Herren! Glaubt ihr wirklich, daß Menschen, die sich aus Bequemlichkeit und aus Gewohnheit herausreißen, die Trägheit dieser Tage überwinden/ die stündlich ihr Leben bieten, glaubt ihr« daß die ihre Taten bauen, damit einst jüdische Spekulanten jüdische Menschen im jüdischen Lande aussaugen, damit euer Fortschritt, der nichts anderes ist, als die fortschreitende Möglichkeit Kapital für euch zu machen, geschützt werde? Zum Teufel mit eurem Fortschritt! Wenn ihr wüßtet, daß es in der Welt gar keinen Rückschritt geben kann, daß Alles und Jedes Fortschritt ist, daß der dem Wesen dieser Welt innerst liegende Fortschritt nicht beschützt werden kann, weil es keine Macht gibt, die ihn bedrohen könnte, wenn ihr dies wüßtet, würdet ihr eüren Drang, Ge* schäfte selbst aus der Nation und aus dem Gefühl zu machen, wohl anders nennen. Hochverehrte Antiideajisten: oder besser: hochverehrte Aidealisten: unser jüdischer Idealismus, der seine prächtigsten Vertreter in den Schomrim Palästinas findet, hat längst sich schon höheren, absoluten Zielen zugeschwungen und würde nicht eueren Besitz schützen, wäre er nicht Besitz des jüdischen Volkes, wäre er nicht aus diesem Grunde unantastbar und heilig. Das aber laßt mich noch sagen: unser Idealismus, über den ihr heute lacht, wird euere Welt aus den Angeln heben, wenn ihr daran denkt eine jüdische Gemeinschaft zu gründen, deren Gemeinsames die Hast nach persönlichem Vorteile und die Zu« Fälligkeit der jüdischen Mitglieder ist. Jüdischer Besitz ist uns heilig und wir, aus deren Reihen die Schomrim sind, werden durch unsere Taten, die unserem Idealismus sich entwinden, ihn schützen vor Jederman: aüch vor euch. Durch diesen unseren tätigen Idealismus unterscheiden wir uns von den blassen Idealisten der vergangenen Zeit, mit denen ihr uns in Unverständnis auf eine Stufe stellt. . . In der Zeit, da menschliches Blut seinen Wert verloren hat, da die Technik die letzten Reste angewöhnter Menschlich* keit verfetzt und die Schreie der Ster* benden die der Gebärenden übertönen, verklingt wohl der karge letzte Ruf des sterbenden Wächters. Er ist ein Ein* zelner und die Geschichte dieser Welt ist zu großzügig geworden, um sich mit Einzelnen abzugeben, wo sie daran ist, eine Menschheit zu verschlucken. Ihr Tod ist zu fern den Toten dieser Tage und ihre Schreie sind unverständlich den Lauschern der ehernen Tritte dieser Zeit. Ihr Tod, der nicht minder tragisch ist, denn der Tod anderer Menschen, fand noch keinen Dichter, aus ihrem Blute brachen noch keine Lieder, kaum daß ein Journalist sich Mühe, nahm, ihn an den täglichen Annoncenstrand des veröffentlichten Heldentums zu legen. Und auch vpn uns — seien wir ehrlich — wußten Viele nichts von der uner* hörten Tragik, die an den Grenzen unseres Judentums geschah. Es scheint mir daher eine Notwendig* keit, daß dieses Buch, das der Anlaß dieser Zeilen ist, auch den Juden, die nicht hebräisch sprechen, zugänglich ge* macht wird. Es ist meines Wissens das erste Denkmal, das jüdische Liebe den toten Vorposten des Judentums setzte. Es ist eine Notwendigkeit in der Zeit, da ein Teil der jüdischen Jugend sich von den althergebrachten Idealismen los* reißt, um zu den absoluten Idealen des jüdischen Menschen aufzuschreiten und sich umzusehen beginnt nach den Zielen, zu denen es seine Taten zu tragen hat. Die Biographien der gefallenen Schorn* rim — einfach und klar erzählt — geben Dem, der das Buch nicht allein um des Lesens willen liest, ein besseres Bild des jüdischen Palästinas als zehn theoretische Abhandlungen und zeigen ihm den Weg auf, den er zu schreiten hat: nach der Unbedingtheit eines jüdischen Lebens für das Judentum, das heißt: mit opfern* dem Herzen, mit offenen Armen und mit der Hingabe seines Letzten ein* stehen unter jeder Bedingung für die ohne jede Konzession jüdische Gemeinschaft. Eugen Hoeflich.