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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 203

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 203 (sequence 41)
Language
German
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Rundschau. •203 bei den Friedensverhandlungen ausfallen .mögt, ein Problem von allerhöchster Bedeutung fordert schon heute unab* weislich seine Lösung. Die Voraus** setzung für einen Meinungsaustausch mit der türkisdien Regierung war die Peststellung eines Programmes, auf das sich sämtliche jüdischen Delegierten einigen mußten. Dieses Mindestmaß der jüdischen Forderungen festzustellen, waren langwierige, oft unsäglidi mühe* volle Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der verschiedenen jüdi* sehen Gruppen unerläßlich. Es galt nicht mehr und nicht weniger als ein Kom* promiß zwischen extremer Orthodoxie und politischem Zionismus. Diese Qberbrüctung kam unter dem Zwange der Stunde wohl zustände. Wird sie aber von Dauer sein? Emp* fanden beide Parteien nicht etwa, wie jener steirische Soldat, der seinem Neben*» buhler das Leben gerettet hatte, aber in einem Briefe in die Heimat erklärte: »Vor den Russen sind wir eins, vor einander blieben wir unser zwei?« Be* deutet das Kompromiß mehr als eine Tapete, die für türkische Augen zeit* weilig einen tiefen Riß * im Mauerwerk zu verdecken hatte? Hierüber müssen wir unbedingte Klarheit erlangen. Diese entscheidende Frage ist hier im Galuth, nicht erst an Ort und Stelle im neuen Jischub zu lösen« Dürfen wir als getrennte Lager in Erez Israel einziehen? Nicht ein einiges jüdisches Volk, sondern mehrere unter einander feindselige Judentümer? Eine . gerade an dieser Stelle, aller Welt zum Gespött, um so kläglichere Projektion der Zerrissenheit unseres Galuthdaseins? Werden wir auch dort selbst im harm* losen neutralen Blau*Weiß »getrennt marschieren?« Müssen wir nicht alles aufbieten, um jetzt an der Schwelle des so lange und so heiß ersehnten Zieles uns erst über die Grundbedin* gungen unseres künftigen Gemeinschafts« lebens zu einigen, uns vertrauensvoll über die Grundlagen zu verständigen, auf denen sich der Bau unseres »nationalen Heimes« erheben soll? Was dürfen wir, bevor diese Gegenwartsarbeit geleistet ist, von der Zukunft erwarten? Die Ansprüche der Orthodoxen gipfeln in der Forderung der Gewissensfreiheit. Der Jude soll auf jüdischer Erde sein Judentum frei ausleben können in einem Gemeinwesen, in dem das jüdische Re* ligionsgesetz unbeschränkte Anwendung findet. Nicht nur die Institutionen des Kultus sollen orthodoxer Aufsicht unterstellt werden. Alle öffentlichen Ein* richtungen haben vielmehr, z. B. an Sabbat* und Festtagen zu ruhen. Das Rauchen auf der Straße, wie jede öffent* liehe Arbeit hat am Sabbat zu unter* bleiben usw. Das Privatleben soll aller* dings gesetzlichem Zwange entzogen bleiben. Wir lassen alle übrigen Punkte des orthodoxen Programmes beiseite und betonen hier nur diese eine Bedingung der konsequenten Anwendung des Ritual* gesetzes auf das gesamte öffentliche und Gemeindeleben. Wie stellt sich die zionistische Partei hierzu? Wie die übrigen Kreise, die an der jüdischen Kolonisierung Palästinas Anteil nehmen? In solchen Fragen des Gewissens gibt es keine Majorisierung, keine Volks* abstimmung. Hier muß eine gründliche Erörterung in breitester Öffentlichkeit Klärung der Ansichten und, wenn irgend möglich, gegenseitige Verständigung und Einigung herbeiführen. Alle, die ernst* lieh gewillt sind, sich in Erez Israel an* zusiedeln oder ihren Kindern dort eine Zukunft zu bereiten, werden jetzt, da diese Frage uns so nahe gerückt ist, zu prüfen haben, ob sie ein jüdisch* nationales Leben im Sinne dieses ortho* doxen Programmes als Verwirklichung des jüdischen Religionsgesetzesgelten lassen wollen oder ob sie dessen For* derung mit allen ihren Konsequenzen ablehnen oder endlich, ob sie eine Plattform des Justemilieu zu schaffen den Willen und die Kraft aufbringen können, die Extreme sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite ablehnen müßte.; Hiervon wird es abhängen, ob von einer inneren, d. h. wahren Gemeinsam*

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