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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 197

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 197 (sequence 35)
Language
German
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Vom Leben der Jugend. 197 ] Vom Leben Das Blauweißliederbuch. Das Blauweißliederbuch gibt Anlaß zu einigen grundsätzlichen Anmerkungen, die, zunächst nur hinzielend auf das Singen von Volksliedern als eine wesen* hafte jugendliche Äußerung, greifbarer als jede im allgemeinen verbleibende Bewertung die nicht länger erträglichen krisenhaften Zustände der nationaljüdi* sehen Jugendbünde des Westens erkennen lassen. Unter etwa 113 deutschen Volks* fiedern der zweiten Auflage sind 18 jiddi* sehe und 22 hebräische Lieder verstreut. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß die in jedem Betracht überwiegenden deut* sehen Lieder einen genügend umfassenden Eindruck von den seelischen und kul* turellen Besonderheiten des deutschen Volkes hinterlassen. Ob es nötig war, in einer von Führern deutschjüdischer .Wanderbünde herausgegebenen Samm* Jung dem deutschen Lied diesen über* ragenden Platz einzuräumen, da doch von allen Seiten deutsche Art über* mächtig die Seele dieser Jugend unter sich zwingt, fast bis zur Tilgung aller jüdischen Inhalte, ob es nicht selbstver* standlich und ehrenvoller für den Geist einer wirklich existenten oder Existenz anstrebenden Jugendbewegung wäre, sich endlich einmal auf das Jüdische zu »be* schränken«, aber hier etwas Ernsthaftes, Ganzes und Musterhaftes für die Jugendlichen zu (eisten, will ich nicht weiter untersuchen. Unverantwortlich war es jedenfalls, in dieser das Soldatische und Militärische nicht eben vernachlässigen* den Zeit ein Viertel der JLieder <22> der Welt des deutschen Soldaten zu ent* nehmen. Auch ein Teil der hebräischen Lieder <S. 27, 40, 83) ist blutrünstig und imperialistisch genug. Volkslied ist keines von ihnen. Das ist meistens eine ad hoc geschaffene Leitartikellyrik, schwächlich und sentimental, oder ganz unkindliche Kindergartenpoeterei im schwülstigen Stil der Mlize, der von irgendwoher Melodien unterlegt sind. Ich würde es verstehen, wenn man aus der großen der Jugend. 1 Zahl religiöser Gesänge, an deren Melodien das Volk selber geschaffen hat, einige überzeugende Stücke ausge* wählt hätte <aber nicht mit einer so typisch deutschen Melodie wie die S. 8 gebotene des 126. Psalms), oder wenn man aus den echten Volksliedern einige der gar nicht seltenen chassidischen Weisen dargeboten hätte, die fast völlig hebräisch sind und die große Weihe alter Geschlechter haben. Wenn man aber schon hebräische Gedichte der jüngsten Zeit aufnimmt, sollte man sie sorgfältiger transkribieren und peinlicher übersetzen, als es hier geschehen ist. Wie verhält es sich mit den jiddischen Liedern? Man mußte verlangen, daß diese in einer Sammlung, die so ein* dringlich für den deutschen Volksgesang wirbt, mit äußerster Besonnenheit und Sachkunde ausgewählt wurden. Der westjüdische jugendliche Mensch hat das Deutsche in seinen vielfachen kulturellen Auswirkungen noch immer so ausschließe lieh und beherrschend vor und in der Seele, daß ihm ein verantwortungsvoller Wegführer Jüdisches nur in reiner und wesenhafter Gestalt vorführen darf. Beim Volkslied war es ein Leichtes, ihm dar* zutun, in welch großgestalteten Formen das eigene Volk in seinen Liedern nach Ausdruck ringt. Wir besitzen, seit dem Jahr 1901, etwa sechs umfassender an* gelegte ostjüdische Sammlungen <Ginz* bürg, Marek, Cahan, Prifutzky, Engel, die Ausgaben der Gesellschaft für jü* dische Volksmusik, die Beigaben zuip Jahrbuch »Der Pinkes«), die bereits etwa 1000 echte Volkslieder enthalten und erst einen Teil der wirklich vorhandenen Fülle dem Volksmund entnommen haben. Gerade von solchen Lieder* gattungen, die dem Jugendlichen ange* messen sind, vom religiösen, vom Wiegen*, Kinder*, Cheder* und Hand* werkerlied enthalten sie ein große Zahl vollendeter und überzeugender Stücke. Im Blauweißliederbuch, zu dessen, zweiter Auflage mehr als zwei Jahre zur Verfü* £ung gestanden haben, findet man nichts

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